Wieviel Zeit bleibt bis zur iranischen Bombe?

Wieviel Zeit bleibt bis zur iranischen Bombe?

Jerusalem Center – Iran Desk

 

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Behrouz Kamalvandi

Behrouz Kamalvandi, Sprecher der Iranischen Atomenergiebehörde (AEOI), äußerte auf einer Pressekonferenz in der Atomanlage Fordow vom 7. November 2019, dass die Organisation beauftragt worden sei, Uran auf 5 Prozent anzureichern, aber durchaus in der Lage wäre, "ein Anreicherungslevel von 20 oder gar 60 Prozent zu erzielen. Im Moment werden 5 Prozent benötigt."(1) Er ergänzte, dass im Sommer bereits ein Level von 4,5 Prozent erreicht worden sei und die IAEA-Inspektoren, die die Anlage untersucht hätten, die 5 Prozent bestätigen würden.(2) Kamalvandi betonte, dass die Anreicherungsanlage in Fordow essentiell sei für die Urananreicherung auf 20 Prozent. (3)

"Heute," so der Sprecher weiter, "wurde unter Aufsicht der IAEA ein Behälter mit 2,000 kg UF6 Uranhexafluoridgas von der Anreicherungsanlage Natanz zum Atomkraftwerk Fordow transportiert" (4)

Ali Akbar Salehi, Chef der AEOI, erklärte am 4. November 2019, dass Natanz aktuell die Produktion von angereichertem Uran auf fünf Kilo verzehnfacht hätte im Vergleich zu 450 Gramm vor zwei Monaten. Salehi weihte zudem eine Kette von 60 modernen und schnelleren IR-6-Zentrifugen ein, womit die IR-1-Modelle der ersten Generation ersetzt wurden. (5)

Kamalvandi zufolge sei die Anreicherungslage Fordow "geschützt und befestigt". Der Iran habe dort seit 19 Jahren nicht angereichert. Alle Tätigkeiten in Fordow dienten aber "friedlichen Zwecken." Er bekräftigte: "Während die Vereinigten Staaten und Israel behaupten, der Iran strebe nach atomarer Bewaffnung, sind tatsächlich sie es, die Atomwaffen produzieren."

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Der Kern des Arak-Schwerwassserreaktors in Natanz (Islamic Republic News Agency, September 9, 2017).


Kamalvandis Worte beschreiben die "4. Stufe" des iranischen Zurückfahrens der im Atomabkommen (JCPOA) eingegangenen Verpflichtungen. Angesichts des fortgesetzten Scheiterns der Gespräche mit den Europäern über die Kompensation des Iran nach dem amerikanischen Ausstieg und der Neuauflage amerikanischer Sanktionen.

Als Teil der 4. Stufe hat der Iran begonnen, UF6 Uranhexafluoridgas in die 1,044 Zentrifugen der unterirdischen Atomanlage in Fordow zu leiten. Das Atomabkommen gestattete dem Land IR-1-Zentrifugen zu betreiben, das erste Model des Iran, die unter den Auflagen von 2015 leer rotierten. Der Iran behauptet, nach Artikeln 24 und 36 des Abkommens seinerseits Verpflichtungen nicht einhalten zu müssen, wenn die andere Seite die ihren nicht erfülle. Dies stelle somit keinen Verstoß gegen das Abkommen dar.

Die Vereinigten Staaten haben diese jüngste Eskalation des Iran als "Riesenschritt in die falsche Richtung" bezeichnet, während der AEOI-Sprecher betonte, dass dieser Schritt nur dazu dienen solle, die europäischen Unterzeichnerstaaten an die "Realität" zu erinnern, dass nicht nur der Iran seine Verpflichtungen zu erfüllen habe, sondern auch die Europäer.

Kamalvandi bekräftigte die iranische Position, dass der Iran aus ideologischer und strategischer Perspektive "nicht einmal darüber nachdenke, Atomwaffen oder andere Massenvernichtungswaffen" zu beschaffen. Er erinnerte an die Fatwa des Obersten Führers Khamenei gegen Atomwaffen. "Wie der Oberste Führer des Iran gesagt und in der Fatwa bekräftigt hat, ist die Produktion oder Anhäufung von Atomwaffen und Massenvernichtungswaffen gegen unsere Ideologie."

Die Anreicherung in Fordow spielt in technischer Hinsicht eine Rolle. Die Kapazität wurde von 8,600 SWU/kg (Separative Work Units – Maßstabseinheit für das Anreicherungsverfahren) auf aktuell 9,500 erhöht, sehr nah an das Niveau, mit dem das Land vor dem Abkommen anreicherte. "Wie weit wir auf dem Weg zu 1 Mio. SWU kommen, hängt allein von unserem Equipment ab", so Kamalvandi. (6)

Der iranische Verantwortliche für Atomtechnologie Ali Akbar Salehi erklärte am 10. November, dass der Iran bereit sei, seine Expertise in der Erzeugung von Atomenergie mit Nachbarstaaten am Golf zu teilen. Dazu gehöre auch die Technologie.

Salehis Worte fielen während einer bahnbrechenden Zeremonie beim Ausbau des zivilen Atomkraftwerks in Bushehr im Südiran. Der Bau der ersten Anlage dort begann 1975. Deutsche und russische Firmen verzögerten und verbesserten das Design mehrfach bis es 2011 unter russischem Management ans Netz ging.

Der Chef der AEOI verkündete nun, dass sechs Jahre nach Grundsteinlegung das erweiterte Bushehr-Kraftwerk vollständig von iranischen Experten betrieben werde und das wesentliche Equipment einheimischer Produktion entstamme. Die Baukosten würden im Rahmen von sechs bis acht Jahren abbezahlt werden. Mit Ölpreisen bei $60 würde der Reaktor $700 Mio. jährlich einsparen helfen.

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AEOI-Chef Salehi präsentiert Präsident Hassen Rouhani Modelle der Zentrifugen
(Iranian President’s Office)


Die IAEO berichtete im Oktober 2019, dass der Iran nunmehr seine wesentlichen Bauteile selbst entwerfe und produziere, einschließlich der verschiedenen Zentrifugen. Alis Asghar Zarean, Sonderberater Salehis, betonte dazu: "100 Prozent der iranischen Atomindustrie ist nunmehr einheimisch. Damit kann der Iran unabhängig alle Maßgaben im Design und in der Produktion verschiedener Zentrifugen erfüllen."