Vereinte Operationen der Terrorgruppen – Ein neuer Machtfaktor für Gaza

Vereinte Operationen der Terrorgruppen – Ein neuer Machtfaktor für Gaza

Pinhas Inbari

 

Obwohl sich sowohl Israel als auch die Hamas am 14. November 2018 über eine Feuerpause verständigt haben, müssen die jüngsten militärischen Konfrontationen als die schlimmsten seit der Operation "Protective Edge" 2014 gelten. Und ganz eindeutig muss die Hamas dabei als Aggressor benannt werden.

Was passiert ist und was nun folgt

Unmittelbar nach einer missglückten israelischen Geheimdienstaktion in Gaza vom 11. November 2018 gab sich die Hamas Mühe, nur verhalten zu reagieren. So fanden sich in ihren Stellungnahmen keine Anzeichen für einen geplanten massiven Raketenbeschuss, der dann am Nachmittag und Abend des 12. November erfolgen sollte.

Doch zwei wesentliche Elemente ihres Modus Operandi führten schließlich zur Eskalation. Der erste ist rein psychologisch: Es gehört zum Selbstbild der Hamas, Stolz und Ehre nach außen zu projizieren und ist für ihren Machterhalt notwendig. In Ramallah machte man sich schon darüber lustig, dass die Hamas ihre Würde für eine Handvoll katarischer Dollar verkauft hätte. Dieses Element des eigenen Selbstbildes könnte sich auch zukünftig als Problem erweisen, nachdem die aktuelle Runde der Feindseligkeiten eingestellt wurde.

Das zweite Element betrifft das Politische – die Einrichtung eines "Vereinten Operationsraums" durch Hamas und die anderen an den Kämpfen gegen Israel beteiligten Organisationen.


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PR-Zeichen: "Der Tod wird kommen" auf Hebräisch und Arabisch, veröffentlicht vom "Vereinten Operationsraum" (Twitter, @JTruzman)

Vereinte Operationen sollen Wandel der PLO erzwingen

Der "Vereinte Operationsraum" ist entscheidend für die zukünftigen Schritte der Hamas – die Errichtung einer neuen PLO, die die aktuell von der Fatah geführte Organisation ablösen soll. Gegenwärtig wird die PLO von Gruppen wie der PFLP oder der Demokratischen Front bereits boykottiert. Es ist der Hamas wichtig, diese auf ihre Seite zu bekommen, indem sie deren Ansichten goutiert. Da ist des Weiteren der vom Iran unterstützte Palästinensische Islamische Dschihad, der nie Teil der PLO war, während der Zeit Arafats diesen jedoch – im Gegensatz zur Hamas – respektierte und mit ihm zusammenarbeite.

Auf diese Weise verfügt der Dschihad über ein starkes Mitspracherecht in der gegenwärtigen Lage und stellt somit den Schlüssel dar, zum Verständnis der jüngsten Eskalation. Mit seiner Hilfe kann der Iran die Lage in Gaza beeinflussen.

Dies ist für den Dschihad nicht nur von Vorteil. Als regierende Gewalt in Gaza ist die Hamas nach wie vor bestrebt, den Ort zu stabilisieren. Nach der jüngsten Runde an Konfrontationen ist sie somit in der Lage, dem Dschihad zu signalisieren "wir haben für euch eine Runde eskaliert, nun helft bei unserer Stabilisierung." Damit wird der Dschihad in eine Ecke gedrängt, der er sich nicht verweigern kann. Dies gilt auch für andere Organisationen mit Nähe zu Syrien und Iran.

Was heißt dies nun für die Zukunft? Die Gefahr einer weit größeren Konfrontation ist real und Israel muss seine Abschreckungsfähigkeit erneuern. Denn absurderweise könnte ein schwerer Schlag gegen die Hamas ihrem Führer Yahya Sinwar helfen, die Organisationen zu kontrollieren, die er so dringend für seine Neuausrichtung der PLO braucht, weshalb sie ihm zur Stabilisierung Gazas helfen müssen.