Gewalt in Gaza – Eine unendliche Geschichte

Die Neuigkeiten aus Gaza und dem Westjordanland sind – wie üblich – deprimierend. Die Hamas gewann bei den palästinensischen Parlamentswahlen vom Januar 2006 die Mehrheit der Sitze. Dieser außergewöhnliche Triumph einer unerbittlichen Terrorbewegung erschütterte die westliche Welt und führte zu neuen Angriffen auf Israel. Kaum ein Jahr später bildeten Hamas und Fatah eine Einheitsregierung, geführt von Hamas-Premier Ismail Haniyeh und Fatah-Präsident Mahmoud Abbas. Und nahezu unmittelbar darauf führten ideologische Grabenkämpfe zu erneutem Blutvergießen auf den Straßen, dieses Mal in einem nur wenigen Einwohner Gazas bekannten Ausmaß. Anstelle des durch die Saudis eingefädelten Scheins einer Einheit intensivierten sich die gewaltsamen Zusammenstöße beider Fraktionen. Videomitschnitte gingen um die Welt, in denen Gefangene mit verbundenen Augen durch Kopfschüsse hingerichtet oder vom Dach 13-stöckiger Häuser geworfen wurden. Im Juni 2007 übernahm die Hamas nach einem blutigen Staatsstreich die Kontrolle im ganzen Gaza-Streifen und trieb viele Fatah-Anhänger dazu, aus Angst um ihr Leben nach Ägypten, das Westjordanland oder sogar Israel zu fliehen.
 
Die Machtübernahme durch Hamas veränderte praktisch alle Aspekte des Lebens für die Einwohner Gazas. Die Straßen Gazas ähneln nunmehr Teheran mehr als zuvor. Nahezu jeder Mann trägt einen Bart und nahezu jede Frau ist von Kopf bis Fuß verschleiert. Männliche Kriminelle im Hauptgefängnis von Gaza dürfen bis ein Jahr früher die Haft verlassen, wenn sie sich einen Bart wachsen lassen und fünf Kapitel aus dem Koran auswendig lernen. Zu den tiefgreifenden strukturellen Veränderungen Gazas durch die Hamas-Eroberung gehören die rasante Islamisierung sowie eine weitverbreitete Anwendung der Sharia.
 
Nun brach vor wenigen Tagen eine weitere Runde erbarmungsloser Kämpfe aus. Kämpfer der Hamas feuerten ungefähr 300 Mörsergranaten und eine Reihe Raketen in einen Stadtteil Gaza Citys, bewohnt von Fatah-Sympathisanten, zerstörten ihn nahezu und schossen mit Scharfschützen auf alle, die sich auf den Straßen befanden. In diesem von Fatah-Flüchtlingen als „Genozid-Krieg“ bezeichneten Kämpfen starben mindestens 11 Menschen, 90 wurden verwundet. Zusätzlich zur medizinischen Hilfe, die es 24 verwundeten Fatah-Leuten gewährte, entscheidet sich Israel gerade, ungefähr 180 geflüchteten Fatah-Kämpfern Asyl in Israel zu gewähren. Unterdessen hat Mahmoud Abbas in Dschenin 25 Hamas-Führer verhaften lassen, ganz offensichtlich als Rache für das Wüten der Hamas in Gaza.
 
Diese jüngsten Entwicklungen nötigen zu drei Fragen:
 
Erstens haben die Palästinenser oft darauf bestanden, dass Gaza und das Westjordanland eine Einheit darstellen. Sowohl die Vereinigten Staaten als auch die Weltgemeinschaft wiederholen dieses Mantra, indem sie Druck auf Israel ausüben, einen Korridor zwischen beiden Territorien bereitzustellen. Doch welchen Zweck sollte es haben, das Westjordanland ebenfalls dem Terrorismus der Hamas auszuliefern.
 
Zweitens bliebe zu fragen, was denn den Juden Israels blühen werde, wenn sich bereits zwei rivalisierende Palästinensergruppen – Brüder im Kampf gegen Israel –  derart behandeln, sollten jene zur Einheit zurückfinden.
 
Und drittens schließlich, welche Bedeutung kann dem endlosen Geschwafel von einem „Friedensprozess“ überhaupt noch zukommen, solange dieser regelmäßig aufflammende Bürgerkrieg in Gaza anhält.