Die psychologische Kriegsstrategie der Hamas

Jedes Verhalten erweist sich im Wesentlichen als funktionell konsistent, d.h. dass es sich zu einem guten Teil vom projezierten Ziel bestimmen lässt. Das Verhalten der Hamas zeigt sich in der Konfrontation mit Israel entsprechend stimmig, auch wenn es für all jene irrational erscheinen muss, die ihre islamistische Ideologie nicht teilen.

Obwohl sich die Hamas als islamistische Widerstandsbewegung versteht und die Zerstörung Israels offen anstrebt, ist ihr bewusst, dass sie nicht über die militärische Kapazität verfügt, dieses Ziel zu erreichen, das sich in ihrer Charta findet und immer wieder von ihren Führern, Predigern und Anhängern beschworen wird. Trotz dieser Einsicht greift die Hamas bewusst zu militärischer Gewalt, wenn sie davon überzeugt ist, dass der politische Vorteil größer ist als das Risiko, als Bewegung und Souverän von Gaza zu scheitern. Solange die Hamas daran glaubt, sie könne ihr Ziel anstreben und überleben, wird sie Israel angreifen und die palästinensische Öffentlichkeit dafür missbrauchen. Teil ihrer psychologischen Strategie ist es daher – wie viele andere Islamistenbewegungen – Zivilisten als Opfer der „israelischen Agression“ hervorzuheben und die Zahl getöteter Hamas-Kämpfer zu verschweigen. Auf diese Weise werden alle palästinensischen Kriegsopfer zu „unschuldigen Zivilisten“. Bilder der aus Wohngebieten abgefeuerten Raketen werden zensiert.

Israels Doktrin der Verhältnismäßigkeit

Auf die Bilder der Zerstörung, die nach den Kämpfen zwischen der israelischen Armee und der Hamas im Gaza-Viertel Shajaiya, folgte erneut das oft beschworene Mantra, Israel reagiere „unverhältnismäßig“. Während manche Kommentatoren – um mehr Feinsinnigkeit bemüht – ihren Glauben, dass Israel exzessiv vorgehe, zum Ausdruck bringen, sind anderen deutlich in ihrer Anklage, Israel verletze das Kriegsrecht, v.a. die Doktrin der Verhältnismäßigkeit. Diesen substanzlosen Vorwurf gilt es zurückzuweisen.

Shajaiya ist nicht einfach nur ein Viertel im Gazastreifen, sondern eine Art Kronjuwel im Bemühen der Hamas, Zivilisten und Terroristen derart erfolgreich zu vernetzen, dass Israels Selbstverteidigung massiv erschwert wird. Shajaiya ist durchzogen von einem ausgefeilten Netzwerk aus Untergrundbunkern und Tunneln, die zur Raketenherstellung und -lagerung sowie für andere Waffen benutzt werden, und Abschussrampen, von denen aus israelische Städte unter Beschuss genommen werden. Die Hamas bevorzugte dieses von Zivilisten bewohnte Gebiet genau deswegen, um eine Verurteilung Israels zu erreichen, sollten die IDF in einen Kampf gegen sie gezwungen werden.