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60 Jahre Israel
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WADI e.V.: Zu Israelfreundlich?
Antisemitismus  |  01/08/2008

Alex Baur

Das Schreiben vom 10. Juni 2008 aus dem Hauptsitz von Caritas an den Vorstand des deutschen Hilfswerks Wadi beginnt mit einer höchst erfreulichen Bilanz: «Unsere Mitarbeiterin D. konnte sich kürzlich selber ein Bild von der Arbeit von Wadi vor Ort machen. Die besuchten Projekte haben Frau D. überzeugt. Sie war beeindruckt von der Kompetenz und dem Engagement der lokalen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. [. . .] Wir sind uns bewusst, dass es nicht einfach ist, als NGO im Nordirak zu arbeiten. Dennoch scheinen die Projekte von Wadi e. V., insbesondere auch das FGM-Projekt, sehr erfolgreich zu sein.»

Das Hilfswerk Wadi, das seit 1994 im Irak tätig ist, startete das Programm gegen die Beschneidung bei Mädchen (FGM: Female Genital Mutilation) vor drei Jahren. Dass die Genitalverstümmelung nicht nur ein afrikanisches Phänomen ist, sondern auch mit dem Islam zu tun hat, wurde im NGO-Milieu bis dahin aus politischen Gründen ausgeblendet. Für Wadi war das jedoch kein Argument. Anders als die meisten anderen Hilfswerke zogen sich die Deutschen nach dem Einmarsch der Amerikaner auch nicht aus dem Irak zurück und begrüssten den Sturz von Saddam. Die Kurden wussten die Treue zu schätzen. Das Engagement von Wadi gegen die Mädchen-Beschneidung kam bei der Bevölkerung gut an.

Caritas Schweiz darf sich diesen Erfolg mit auf die Fahne schreiben. Das katholische Hilfswerk steuert einen Viertel der Projektkosten bei, die sich auf bescheidene 200 000 Euro pro Jahr belaufen. Doch damit soll nun Schluss sein. «Umso mehr bedauern wir, Ihnen mitteilen zu müssen», schreibt Caritas im eingangs erwähnten Brief, «dass wir unsere Zusammenarbeit mit WADI e. V. per Februar/März 2009 [. . .] beenden werden. Die Gründe für unseren Entscheid liegen in den politischen Stellungnahmen von WADI e. V. zum Nahost-Konflikt.» Das Hilfswerk ist für Caritas zu israelfreundlich.


Unmittelbarer Anlass zur Aufkündigung der Zusammenarbeit war ein Blog-Beitrag von Thomas von der Osten-Sacken, dem Spiritus Rector von Wadi. Dieser rechtfertigte einen militärischen Schlag gegen Iran, falls sich das Regime nicht anders vom Atombombenbau abbringen lasse. Auch sprach er sich gegen ein Rückkehrrecht der 1948 vertriebenen Palästinenser und gegen einen Israel-Boykott aus. Gemäss Norbert Kieliger, Leiter des Bereichs «Internationale Zusammenarbeit» von Caritas, hat sich Osten-Sacken damit auf eine Art exponiert, die für das Hilfswerk untragbar sei: «Wir lehnen jede Form von Gewalt ab, politische Parteinahmen gefährden unsere Mission.»

Caritas Schweiz präsentiert sich gern als unpolitisches Hilfswerk, das Flüchtlinge betreut, Kinder ernährt, Schulen baut und prinzipiell auf der Seite der Benachteiligten steht. In Wahrheit, so moniert Thomas von der Osten-Sacken in seiner Antwort auf die «Kündigung», sei Caritas alles andere als neutral. Gegenüber palästinensischen Gruppen etwa, die das Existenzrecht des jüdischen Staates verneinen und terroristische Akte rechtfertigen, lasse Caritas jede Distanz vermissen.

Konkret spricht Osten-Sacken das Engagement von Caritas im Rahmen des «Forums Menschenrechte in Israel und Palästina» an. Offiziell vertritt der Zusammenschluss diverser NGOs wie Amnesty International und Heks sowie mehrerer palästinensischer Gruppen in der Schweiz vermeintlich rein humanitäre Anliegen, die in Wirklichkeit aber hoch politisch sind. Ein zentrales Thema ist das Recht auf «Rückkehr» von Palästinensern, deren Vorfahren vor sechzig Jahren vertrieben wurden. Was auf dem Schreibtisch gerecht anmuten mag, würde nur schon wegen der demografischen Entwicklung das Ende Israels als jüdischer Staat bedeuten.

Als wichtigster Partner des schweizerischen «Forums» vor Ort fungiert die palästinensische Organisation Badil, die auch vom Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten finanziert wird. Doch israelfreundliche Organisationen wie NGO-Monitor orten bei Badil verkappte extremistische Tendenzen. Die Organisation rechtfertige auch schon Selbstmordattentäter und fordert einen totalen Israel-Boykott. Sogar auf kultureller Ebene soll der Judenstaat isoliert werden. Die EU-Staaten verzichten deshalb auf jede Zusammenarbeit mit Badil.

Caritas hat sich bislang nie offiziell zum Israel-Boykott geäussert. Doch in Anbetracht des historischen Hintergrunds der «Kauft-nicht-beim-Juden-Slogans» ist auch Schweigen eine Aussage. Offiziell verurteilt Caritas - wie die meisten NGOs - lediglich pauschal jede Art von Gewalt. Doch ähnlich wie im Fall von Kolumbien (Weltwoche Nr. 27/30 2008) stellen die Hilfswerke die demokratisch gewählte israelische Regierung faktisch auf die gleiche Stufe wie die terroristischen Organisationen. Und wenn es um konkrete Fälle von Menschenrechtsverletzungen geht, werden partout die westlich orientierten Regierungen an den Pranger gestellt.

Während Caritas bei kriegerischen Konflikten zum Dialog aufruft, erfolgte die Aufkündigung der Zusammenarbeit mit Wadi ohne Vorankündigung. Dabei wäre man, so schreibt der Vorstand von Wadi, für ein klärendes Gespräch sogar nach Luzern gereist. «Wir verweigern den Dialog mit Wadi nicht», erwidert Norbert Kieliger von Caritas, «wir führen die Auseinandersetzung schriftlich.» Leider nicht vor, sondern nach der Kündigung des erfolgreichen Projektes, das mit Israel gar nichts zu tun hat.



 

Weltwoche
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=20579&CategoryID=91


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