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60 Jahre Israel
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Die globale Reichweite von Irans ballistischem Raketenprogramm
24/03/2008
Uzi Rubin  |  Sicherheit

•    Iran weiß, dass er einen Krieg gegen die Vereinigten Staaten nicht gewinnen kann. Offenes Ziel der iranischen Politik ist es, den USA und ihren Alliierten mit einem Abschreckungskrieg eines solchen Ausmaßes zu drohen, dass diese Option unakzeptabel wird. Aus dieser Perspektive investiert er geschickt in die Verstärkung von Abschreckung und Multiplikatoren von Kampfkraft, anstatt veraltete Ausrüstung zu ersetzen.
•    Worin investiert Iran? In Präzisionsmunition, Antischiffsraketen, nukleare Waffen, ballistische Raketen und Raumfahrtmöglichkeiten. Die neue Shahab 3ER Rakete (basierend auf der nordkoreanischen No Dong) mit einer Reichweite von 2.,000 km, welche Ankara und Alexandria bedrohen kann, gibt dem Iran Druckmittel für den gesamten Nahen und Mittleren Osten.
•    Iran hat achtzehn Raketen des mobilen Typs BM25 mit Abschussvorrichtung von Nordkorea erhalten, welche Ziele in Europa erreichen können. In der Vergangenheit wurden BM25 in zwei Modellen produziert: eines mit der Reichweite von 2.,500 km, das andere mit einer Reichweite von 3.,500 km.
•    Gutründlich  fundierten Berichten zufolge gelang es Iran, eine Reihe von strategischen Marschflugkörpern russischer Bauart vom Typ Kh-55 aus der Ukraine zu schmuggeln, vermutlich nicht mit der Absicht, sie einzusetzen, sondern um sie nachzubauen.
•    1998 kündigte Iran sein Raumfahrtprogram an. Eine Trägerrakete, welche eine Satelliten von 300 kg in den Orbit befördert, kann in eine Interkontinentalrakete umgebaut werden, welche mehr als 300 kg über Washington abwerfen könnte.
•    Irans politische Führung strebt nach der Fähigkeit zur globalen Machtprojektion im Namen des Islam. Sie fordert die Anerkennung, dass der Islam 25% der Menschheit umfasse und somit seinen rechtmäßigen Platz in globalen Entscheidungsprozessen erhalte. Verlautbarungen dieser Art handeln nicht von Selbstverteidigung.

Irans angestrebte Abschreckungspolitik

Was ist die Motivation hinter Irans Raketenprogramm? Vor 1991 und dem ersten Golfkrieg bestand die größte Bedrohung des Iran in Saddam Husseins Irak. Als Saddam Hussein sie mit Raketen beschoss und sie keine Vergeltungsmöglichkeiten hatten außer einige wenige Scud-Bs, welche sie von ihrem einzigen Unterstützer Lybien erhalten hatten, begannen die Iraner unter Druck ein Raketenprogramm zu entwickeln.

Seit 1991 sind die USA anstatt des Irak Bedrohung Nummer Eins für den Iran geworden. Das iranische Referenzszenario für militärische Bedrohungen ist ein massiver US-Militärschlag gegen Iran mit Unterstützung der amerikanischen Alliierten in der Region. Zu denen werden die Golfstaaten und Israel gezaehlt, welche der Iran als Außenposten der Vereinigten Staaten betrachtet.

Der Iran ist realistisch. Es wird nicht darauf abgezielt, einen durchgeplanten Krieg gegen die Vereinigten Staaten zu gewinnen, da dies unmöglich ist. Offenes Ziel der iranischen Politik ist es, den USA und ihren Alliierten mit einem Abschreckungskrieg eines solchen Ausmaßes zu drohen, dass diese Option unakzeptabel wird. Aus dieser Perspektive konzentriert er seine Kräfte nicht auf Sanierung seiner verhältnismässig großen Streitkräfte. Stattdessen investiert er geschickt in die Verstärkung von Abschreckung und Multiplikatoren von Kampfkraft. Die veraltete Ausrüstung zu ersetzen, ist dem untergeordnet.

Im April 2005 hielt die iranische Luftwaffe im Rahmen einer der beiden großen Militärparaden des Landes eine Flugschau ab. Die Mehrzahl der verwendeten Kampfflugzeuge – F5s, F4 „Phantoms“ und F14 „Tomcats“ – entstammen alle amerikanischer Produktion, wurden zur Zeit des Shahs erworben und letztes Jahr in Teheran immer noch geflogen. Bei den iranischen Bodentruppen finden sich viele M113 APCs und einige M60 Panzer, einige russische und chinesische Panzer, welche während des Iran-Irak-Krieges gekauft wurden, doch es gab keine umfassende Sanierung.

In welche Bewaffunge investiert Iran?

Worin investiert Iran? In Präzisionsmunition, Seewaffen, ballistische Raketen und ein Raumprogramm, abgesehen vom Atomprogramm. Iran investiert viel in Antischiffswaffen wie der Raad-Rakete, mit einer Reichweite von 350 km. Der Zweck dieser Waffe ist die Kontrolle über den Persischen Golf, welcher von Iran als Korridor eines möglichen amerikanischen Angriffs gesehen wird. Ein näherer Blick auf die von Iran in den jüngsten größeren Seemanövern getesteten Waffen ist interessant. Die iranischen Medien verkündeten die Verwendung der schultergestützten Luftabwehrrakete Misaq, welche sehr stark den alten sowjetischen Strela-2 Raketen ähneln; der Kosar-Antischiffsraketen zur Küstenverteidigung, im Bau sehr ähnlich einer chinesischen Antischiffsrakete; der Radar umgehende Fajar-3 Rakete (vermutlich die Shahab-2 [Scud C]); und der Ajdar-Hochgeschwindigkeitstorpedos, bei denen es sich sehr wahrscheinlich um die nicht sehr erfolgreichen russischen Shkval-Torpedos handelt.

Ballistische Raketen im iranischen Arsenal

Irans Raketenprogramm ist das intensivste in der Dritten Welt mit zunehmender Reichweite. Das iranische Arsenal beginnt bei den ungelenkten Zalzal-Raketen und der Fatah 110, einer verbesserten chinesischen Militärrakete mit 200 km Reichweite und einem 200-250kg Sprengkopf, womit konzentrierte einfallende Streitkräfte abgeschreckt werden können. Zudem hat Iran die Shahab 1 (Scud B) mit einer Reichweite von 300 km und die Shahab 2 (Scud C) mit einer Reichweite von 500 km.

Die iranische Shahab-3-Rakete mit einer Reichweite vom 1.300 km wurde nach dem Vorbild der nordkoreanischen No-Dong-Raketen gebaut und kann sowohl Tel Aviv als auch Riad vom selben Abschusspunkt aus bedrohen. Die neuere Shahab-3E kann mit ihrer Reichweite von 2.000 km Ankara in der Türkei, Alexandria in Ägypten, oder Sanaa im Jemen von einem einzigen Abschusspunkt tief im Iran erreichen. Auf diese Weise muss Iran seine Raketenwerfer nicht bewegen, um Einfluss zu erzielen. Dies sichert sein Raketenarsenal zusätzlich ab.

Die iranische Raketen werden nicht vom Militär kontrolliert, sondern von den Revolutionären Garden, welche ihre eigene Luftwaffe, Bodentruppen und Marine besitzen und dem geistlichen Führer Irans unterstehen.

Der Iran investiert viel in mobile Abschussrampen, doch vor einigen Monaten fanden sich zum ersten Mal Verweise auf Raketensilos.

Die Zahl der Shahab-3-Tests ist relativ gering und es gibt Anzeichen, dass wahrscheinlich die Hälfte davon gescheitert sind. Interessanterweise hat Pakistan in einem ähnlichen Program mit einer fast identischen Rakete diese häufiger und fast immer erfolgreich getestet. Das heißt nicht, dass die Shahab-Raketen nicht einsetzbar sind. In der westlichen Praxis wird eine neue Rakete für den Einsatz nicht genehmigt, es sei denn sie ist wiederholt erfolgreich getestet worden. Iraner hingegen glauben offensichtlich, dass sie, wenn sie einmal funktionierte, als einsatzbereit gilt.

Iran hat achtzehn Raketen des mobilen Typs BM25 mit Abschussvorrichtung von Nordkorea erhalten, welche Ziele in Europa erreichen können. In der Vergangenheit wurden BM25 in zwei Modellen produziert: eines mit der Reichweite von 2.500 km, das andere mit einer Reichweite von 3.500 km. Diese bedrohen offensichtlich nicht nur Irans unmittelbare Nachbarn. Es zeichnet sich ab, dass Iran Macht über seine eigene Region hinaus projezieren möchte.

Bei der Etablierung der Raketenindustrie, versuchte der Iran, die Ausgaben durch den Export zu decken, z.B. Scud-Bs an Zaïre zu verkaufen. Die Iraner unterzeichneten einen 12 Milliarden-Dollar-Vertrag mit Gaddafi, um eine ganze Raketenindustrie in Libyen aufzubauen und waren entrüstet, als Gaddafi die Seiten wechselte. Iran hat zudem schwere Raketen an die Hisbollah geliefert: die Fajr-3 mit einer Reichweite von 45 km, und die Fajr-5 mit 75 km Reichweite.

Iran entwickelt ebenfalls eine ganze Serie grosser, zweistufiger Festtreibstoffraketen – die Ghader 110. Gut fundierten Berichten zufolge gelang es Iran, eine Reihe von strategischen Marschflugkörpern aus der Ukraine zu stehlen und zu schmuggeln, vermutlich nicht mit der Absicht, sie einzusetzen, sondern um sie nachzubauen. Folglich ist ein iranisches Marschflugkörperprogramm zu erwarten, basierend auf dem Klonen der russischen Kh-55, dem Äquivalent zum amerikanischen „Tomahawk“.

Irans Weltraumprogramm könnte globale Reichweite vergrößern

Iran kündigte sein Raumprogramm an, sobald 1998 die erste Shahab-3 getestet wurde. Iranische Verlautbarungen sprechen von mehreren Satelliten aus einheimischer Produktion und einer eigenen Trägerrakete. Ihr Raumprogram hat zum Ziel, vom iranischen Territorium aus mit iranischen Raketen Spionagesatelliten ähnlich dem israelischen „Ofek“ in den Orbit zu bringen. Ein durchschnittlicher Spionagesatellit wiegt ungefähr 300 kg. Sobald Iran das Wissen erlernt hat, wie man 300 kg in den Orbit transportiert, könnte die Trägerrakete in eine Interkontinentalrakete verwandelt werden, welche diese Last an jeden beliebigen Ort, z.B. auch auf Washington D.C., abwerfen könnte. Die Iraner müssten geschickterweise nicht einmal eine Interkontinentalrakete entwickeln: jedes Mal, wenn der Satellit die USA überquert, würde Amerika an das iranische Angriffspotential erinnert. Man denke nur an die Wirkung des sowjetischen Sputniks auf die Vereinigten Staaten.

Irans unmittelbares Ziel ist die Abschreckung der Vereinigten Staaten. Sein klares langfristiges Ziel ist, seine Macht über den Iran hinaus zu projezieren, über Europa und über die USA. Bereits jetzt gelingt ihm das im Nahen Osten. Mit Hilfe des Raumprogramms könnte Iran seine Macht global projezieren.

Offensichtlich übertreiben die Iraner ihre Fähigkeiten als Teil psychologischer Kriegsführung. Doch hinter den Übertreibungen stecken reale Fähigkeiten, nicht so stark wie behauptet, doch auch nicht unbedeutend. Und in diese realen Fähigkeiten wird viel Geld investiert und sie wachsen mit der Zeit.

2006 scheint die politische Führung Iran über das Bedürfnis nach Selbstverteidigung hinausgewachsen zu sein. Erst kürzlich verlangte einer der Vertreter des iranischen Außenministers auf einer Konferenz in Berlin die allgemeine Anerkennung, dass Islam 25 Prozent der Menschheit umfasse und seinen rechtmäßigen Platz in globalen Entscheidungsprozessen und der Verteilung der globalen Rohstoffe erhalten sollte. Verlautbarungen dieser Art handeln nicht von Selbstverteidigung.

Mahmoud Ahmadinejad hat dazu geäussert, dass der Islam 300 Jahre des westlichen Aufstiegs zurückrollen sollte. Er sprach dabei im Namen des Islam, nicht dem des Iran. Zur gleichen Zeit wird die Größe Irans mit seiner 6000 Jahre alten Zivilisation gepriesen. Die Iraner versuchen, den alten Ruhm ihres Reiches wiederzubeleben und zur gleichen Zeit die Führer der islamischen Welt zu werden. Die Entwicklung von Langstreckenraketen ist ein Schlüsselelement zum Aufbau iranischer Macht und Führerschaft.


Uzi Rubin beschäftigt sich seit nahezu 40 Jahren mit militärischen Recherche-, Entwicklungs- und Ingenieurprogrammen Zwischen 1991 und 1999 war er Direktor der IMDO (Israel’s Missile Defense Organization) und übersah in dieser Eigenschaft die Entwicklung des israelischen Arrow Raketenabwehrsystems. 1996 erhielt er den israelischen Verteidigungspreis. Dieses Jerusalem Issue Brief basiert auf seiner Präsentation im Institute for Contemporary Affairs vom 6. April 2006.



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