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Die ägyptischen Muslimbrüder und ihr Programm
16/02/2011
Jonathan Dahoah-Halevi  |  Nahost

Die ägyptischen Muslimbrüder und ihr Programm
 
Jonathan D. Halevi
 
 
·          Die Muslimbruderschaft hat eine aktivere Rolle in den Protesten gegen das ägyptische Regime eingenommen, während sie gleichzeitig ihre eigene unabhängige politische Agenda verfolgt. Der Zweite im Kommando der Muslimbrüder Rashad al-Bayumi gab dem japanischen Fernsehen ein Interview, in dem er sagte, dass seine Organisation einer Übergangsregierung beitreten würde, um den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel zu kündigen. Jener „beleidige die arabische Würde und zerstöre die Interessen Ägyptens und der anderen arabischen Staaten.“
 
·          Tatsächlich engagiert sich die Muslimbruderschaft gegenwärtig politisch in der Verteidigung des demokratischen Prozesses. Allerdings geschieht dies nicht, weil sie die Prinzipien westlicher Demokratie akzeptiert hat, sondern, weil der demokratische Prozess missbraucht werden kann, um ein islamisches Regime zu errichten, das die Demokratie überflüssig machen wird.
 
·          Der damalige Oberste Führer der Muslimbrüder Muhammad Mahdi ‘Akef sagte 2007 gegenüber der ägyptischen Tageszeitung Al-Karama, dass nur der Islam Ausdruck wahrer Demokratie sei: „Der Islam und seine Werte haben schon lange vor dem Westen Demokratie begründet, wie z.B. mit der Shura (dem Ratgeberkreis der Kalifen).“
 
·          Die offizielle Webseite der Muslimbruderschaft bezeichnet den Dschihad als das wichtigste Mittel für eine allmähliche Machtübernahme, angefangen von islamischen Ländern, über die Wiedererrichtung des Kalifats verteilt auf drei Kontinente als Vorbereitung einer Eroberung des Westens bis hin zur schließlichen Errichtung eines globalen islamischen Staates.
 
·          Dieser Stufenplan der Muslimbruderschaft diktiert ihr diese mutmaßliche „Mäßigung“, die in dem Maße verschwinden wird, je erfolgreicher sie ist bis ihre Akzeptanz der gegenwärtigen Situation durch eine streng orthodoxe islamische Herrschaft ersetzen werden wird, deren Außenpolitik auf dem Dschihad basiert.
 
 
Die Muslimbrüder als Teil einer Übergangsregierung
 
Einem Bericht der New York Times zufolge, diskutierte die Obama-Administration mit ägyptischen Vertretern einen Vorschlag, der vorsieht, dass Präsident Hosni Mubarak nach seinem unverzüglichen Rücktritt seine Macht einer Übergangsregierung unter dem Vorsitz von Vizepräsident Omar Suleiman überträgt, mit der Unterstützung des ägyptischen Militärs, von Regierungsvertretern und arabischen Diplomaten. Gemäß dem amerikanischen Vorschlag sollte der Übergangsregierung ein breites Spektrum von Oppositionsgruppen angehören, einschließlich der Muslimbruderschaft.
 
Die Muslimbrüder sind eine globale Bewegung. Die Hamas ist ihr palästinensischer Arm. Die Bruderschaft hat eine aktivere Rolle in den Protesten gegen das ägyptische Regime eingenommen, während sie gleichzeitig ihre eigene unabhängige politische Agenda zu verfolgt, mit der sie die Vereinigten Staaten und Israel herausfordert. Der Zweite im Kommando der Muslimbrüder Rashad al-Bayumi gab dem japanischen Fernsehen ein Interview, das auch in al-Hayat so zitiert wurde, dass seine Organisation einer Übergangsregierung beitreten würde, um den Friedensvertrag zwischen Ägypten und Israel zu kündigen. Jener „beleidige die arabische Würde und zerstöre die Interessen Ägyptens und der anderen arabischen Staaten.“  Er fügte hinzu, dass sich seine Feindschaft gegen die amerikanische Regierung auf deren Unterstützung Israels gründe und dass Ägypten auf amerikanische Hilfe nicht angewiesen sei.
 
Demokratie als Einfallstor für den radikalen Islam
 
Tatsächlich engagiert sich die Muslimbruderschaft gegenwärtig politisch in der Verteidigung des demokratischen Prozesses. Allerdings geschieht dies nicht, weil sie die Prinzipien westlicher Demokratie akzeptiert hat, sondern, weil der demokratische Prozess missbraucht werden kann, um ein islamisches Regime zu errichten, das die Demokratie überflüssig machen wird. Dies lässt sich so in ihrem Wahlprogramm von 2007 nachweisen. Darin begründete die Organisation ihre Teilnahme an den Wahlen wie folgt: „Die Muslimbruderschaft predigt den Weg Allahs … [und nimmt deshalb an den Wahlen teil] um Allahs Befehl auf friedliche Weise zu erfüllen, die existierenden konstitutionellen Institutionen nutzend, durch ein Entscheidung an der Wahlurne.“ Mit anderen Worten, durch die Demokratie an die Macht.
 
Das Wahlprogramm stellt weiter fest, dass „die Herrschaft [in Ägypten] republikanisch, parlamentarisch, konstitutionell und demokratisch sein [muss] – in Übereinstimmung mit der islamischen Sharia.“ Und weiter heißt es „die Sharia garantiert die Freiheit aller.“ Die Organisation lehnt die Trennung von Religion und Staat ab. Die von ihr angestrebte islamische Herrschaft gilt ihr als Realisierung von Demokratie.
 
In einem Interview mit der ägyptischen Tageszeitung Al-Karama sagte der damalige Oberste Führer der Muslimbrüder Muhammad Mahdi ‘Akef  am 17. September 2007, dass die Wahllosung der Bruderschaft „Sharia ist die Lösung“ sein werde. Menschenrechte und Demokratie seien Teil der Sharia-Herrschaft. Sein wöchentliches Sendschreiben vom 12. Mai 2007 war ganz einer Erklärung des Demokratieverständnisses der Muslimbrüder gewidmet. So sagte er, dass nur der Islam, der den Menschen durch Allah gegeben wurde, Ausdruck wahrer Demokratie sei und führte aus:
 
„Der Islam ist älter als … die Doktrinen und Ideologien, die von Menschen ersonnen wurde. Die letzte, absolute Botschaft des Himmels beinhaltet bereits alle Werte, die die säkulare Welt behauptet, erfunden zu haben. … Der Islam und seine Werte haben schon lange vor dem Westen Demokratie begründet, wie z.B. mit der Shura (dem Ratgeberkreis der Kalifen) und dem Respekt vor der Gleichberechtigung anderer Religionen. … Im Hinblick auf die Freiheit hat der Islam eine Qualität erreicht, die säkulare Prediger nie erreichen werden, denn die Freiheit, die der Islam verspricht, ist in jeglicher Hinsicht wahrhaftig, selbst was Religion und Glaube angeht. … Was nun die Behauptung betrifft, dass der Islam keine zivilen Autoritäten anerkenne – die Autorität des Islam ist eine demokratische … ist wahre Freiheit, bietet praktische Gleichberechtigung und Transparenz. Weder unterdrückt sie, noch beraubt sie irgendeinen Mann seiner Rechte. … Auf dieser Grundlage und mit diesen Werten fordert die Muslimbruderschaft Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit.“
 
‘Akef hat seine Ansichten über westliche Demokratie nie verheimlicht. So äußerte er am 30. April 2005 gegenüber der ägyptischen Tageszeitung Al-Ahram, dass die Muslimbruderschaft die amerikanische Demokratie ablehne, denn sie sei „korrupt und dient allein amerikanischen Interessen. … Die Muslimbruderschaft hat gegen ausländische Einmischungen demonstriert und gegen jegliche Demokratie, die den Amerikanern dient. … Die [amerikanische] Demokratie ist korrupt, denn sie möchte die [islamische] Nation zerstören, ihren Glauben, ihrer Traditionen.“ Gegenüber der BBC bezeichnete er westliche Demokratie als „unrealistisch“ und falsch.
 
Als eines der Beispiele für die „korrupten Werte“ Amerikas zitiert ‘Akef das Bemühen, die Frauenbeschneidung in Afrika zu stoppen. So schrieb er am 12. Juli 2007, die Amerikaner „geben Milliarden von Dollar aus und hecken unentwegt Pläne aus, um die islamische Lebensweise zu ändern, und gegen islamische Führer, die Traditionen und Ideen des Islam Krieg zu führen. Sie kämpfen sogar gegen die Frauenbeschneidung, einer Praxis in gegenwärtig 36 Ländern, die es seit Zeit der Pharaonen gibt.“
 
Die Bedeutung des Dschihad
 
Für die Muslimbruderschaft ist der Dschihad, also der Krieg gegen die Ungläubigen eines der fundamentalsten Elemente. Die Ideologie der Organisation, die sich auf der Webseite der Bruderschaft finden lässt, betrachtet, den Propheten Mohammed „als ihren Führer und Dschihad als ihren Weg.“ Der Dschihad verfolgt eine globale Strategie, die über Selbstverteidigung hinausgeht. Er zielt auf unablässigen Angriff auf jede Herrschaft der Ungläubigen und die Ausweitung der Grenzen eines islamischen Staates bis irgendwann die ganze Menschheit unter islamischer Herrschaft lebt.
 
Klickt man auf die Links „Ziele der Muslimbruderschaft“ und „Maßnahmen der Muslimbrüder“, so gelangt man zu Erklärungen über das Wesen des Dschihad, die den Schriften des Muslimbruderschaftsgründer Hassan al-Bannas entnommen sind. Dschihad gilt dort als das wichtigste Mittel für eine allmähliche Machtübernahme, angefangen von islamischen Ländern, über die Wiedererrichtung des Kalifats verteilt auf drei Kontinente als Vorbereitung einer Eroberung des Westens bis hin zur schließlichen Errichtung eines globalen islamischen Staates. Auf ihrer Webseite schreibt die Organisation dazu:
 
„Wir wünschen ein islamisches Individuum, ein islamisches Haus, ein islamisches Volk, eine islamische Regierung und einen Staat, der die islamischen Länder anführen, die islamische Diaspora sammeln und dann die Fahne des Dschihad tragen wird und den Ruf nach Allah. [Dann] wird die Welt mit Freude die Gebote des Islam akzeptieren. … Das Problem der Eroberung der Welt wird sich nur lösen, wenn das Banner des Islam gehisst und der Dschihad erklärt ist.
 
Es ist unser Ziel, einen einzigen islamischen Staat zu errichten, der alle islamischen Länder vereinigt, eine Nation unter einer Führung, deren Mission die Durchsetzung des Gehorsams gegenüber den Geboten Allahs ist, … und die islamische Präsenz in der Welt zu stärken. … Unser Ziel … ist die Errichtung eines globalen islamischen Staates.
 
Und wenn das Gebet eine Säule des Glaubens ist, dann ist der Dschihad sein Gipfel … und der Tod auf dem Pfad Allahs der Gipfel des Ehrgeizes.“
 
Die Muslimbruderschaft gibt sich kein Mühe, ihre globalen Ansprüche und ihren Weg der Gewalt zu verbergen. Detailliert beschreibt sie ihren Stufenplan, von der Eroberung des Einzelnen hin zur Familie, zum Volk, zur Nation, zur Einheit der islamischen Staaten bis zur Realisierung des globalen islamischen Staates. Dieser Stufenplan der Muslimbruderschaft diktiert ihr ihre mutmaßliche „Mäßigung“, die in dem Maße verschwinden wird, je erfolgreicher sie ist bis ihre Akzeptanz der gegenwärtigen Situation durch eine streng orthodoxe islamische Herrschaft ersetzen werden wird, deren Außenpolitik auf dem Dschihad basiert.
 
Der Dschihad gilt der Muslimbruderschaft als Kern ihres Kampfes gegen die Vereinigten Staaten, den Westen, Israel und andere „ungläubige“ Regime. Der oberste Führer der Muslimbruderschaft betrachtet den Islam als „Kampf der Werte und Identität“ gegen die Kräfte des „Imperialismus“ und den Angriff der „Angelsachsen“ auf die arabisch-islamische Welt „unter dem Vorwand der Verbreitung von Demokratie, Minderheitenrechte und im Vorgehen gegen das, was sie Terrorismus nennen.“ Er empfiehlt Moslems eine „Kultur des Widerstands gegen die Invasion“ auszuprägen und erklärt weiter, dass Allah den „besetzten und unterdrückten Nationen Dschihad und Widerstand gab als Mittel zur Befreiung.“ Weiter heißt es: „Die Kultur des Widerstands gegen Invasion und Besatzung hat intellektuelle, militärische und wirtschaftliche Aspekte. Die Erfahrungen aus Palästina, dem Irak und Afghanistan beweisen uns, dass Widerstand weder eingebildet, noch fiktiv, noch unmöglich ist, sondern gerade dann machbar, wenn die islamische Nation eine Einheitsfront bildet und Waffen und ihren Glauben benutzt, um den Imperialisten zu begegnen, sei es, dass er mit Waffen kommt oder dass er versucht, uns mit seinen Ideen, Werten oder seiner überholten Moral zu überschwemmen.“
 
All diese Punkte werden ebenso von dem Nachfolger ‘Akefs Mohammed Badi‘ vertreten.
 
*     *     *
 
Eine umfassendere Analyse der Agenda der Muslimbrüder findet sich in Jonathan D. Halevi The Muslim Brotherhood: A Moderate Islamic Alternative to al-Qaeda or a Partner in Global Jihad? Oberstlt. a.D. Jonathan D. Halevi ist Senior Researcher für Nahost und radikalen Islam am Jerusalem Center for Public Affairs. Er ist Mitbegründer der Orient Research Group Ltd. und war Berater des politischen Planungsstabes des israelischen Außenministeriums.


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