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60 Jahre Israel
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Verteidigungsfähige Grenzen auf den Golanhöhen
15/05/2009
Giora Eiland  |  Sicherheit

Verteidigungsfähige Grenzen auf den Golanhöhen
Gen. Maj. (Res.) Giora Eiland
 
 
Das Jerusalem Center for Public Affairs bedankt sich außerordentlich für die Großzügigkeit von Michael und Anita Siegel, Steven Stern, Alvin Dworman und dem anonymem Spender des Jewish Funders‘ Network, deren Unterstützung diese Studie möglich gemacht haben.
 
Einführung:
 
Für einen Großteil der Zeit seit dem Sechstagekrieg vom Juni 1967, als es die Golanhöhen von Syrien eroberte, hat Israel diese strategische Region als nördliche Verteidigungsfront betrachtet. Vor 1967 stellten die auf dem Golan stationierten syrischen Truppen und ihre Artillerie eine konstante Bedrohung der israelischen Farmen und Dörfer in Galiläa dar. In den darauffolgenden Jahren war Israel mit Hilfe der nun dort positionierten Israelischen Streitkräfte (IDF) im Besitz einer optimalen Verteidigungslinie, die es ermöglichen würde, mit einem zahlenmäßig unterlegenen stehendem Heer einen syrischen Bodenangriff zurückzuhalten, was Israel die nötige Zeit beschaffen würde, seine Reserven zu mobilisieren und jedwede Aggression zu neutralisieren.
 
Trotz dieser militärischen Erwägungen gab es seit den frühen neunziger Jahren sowohl direkte wie auch indirekte Kontakte zwischen Israel und Syrien, um die Möglichkeiten eines Friedensvertrages auszuloten. In den meisten Fällen führten diese Kontakte nicht zu ernsthaften und offenen Verhandlungen, die tatsächlich ein umfassendes Abkommen intendierten. Die einzige Ausnahme war ein 1999-2000 von dem damaligen israelischen Premierminister Ehud Barak initiierter Versuch. Die Verhandlungen erreichten damals ein Stadium, in dem bereits über die Details von Sicherheitsvereinbarungen diskutiert wurde, die Israel für den Verlust der Golanhöhen kompensieren sollten. Die Gespräche führten damals nicht zur Unterzeichnung eines Friedensvertrages, doch die Gründe für das Scheitern der Verhandlungen lagen nicht bei einem nennenswerten Gegensatz in der Sicherheitsfrage. In dieser Hinsicht hatten beide Parteien ein nahezu vollständiges Einvernehmen erreicht.
 
Vor diesem Hintergrund wurden 2008 die indirekten israelisch-syrischen Gespräche unter türkischer Vermittlung erneuert und von der Annahme geleitet, dass es eine militärische Lösung gäbe, die Israel für den Verlust des Golans kompensieren würde und die gleichzeitig für die Syrer akzeptabel wäre.
 
Aufgabe dieser Analyse ist es zu zeigen, dass Israel ohne die Golanhöhen nicht über eine glaubhafte Lösung der Sicherheitsfrage verfügt. Nicht nur war die „Lösung“ von 2000 bereits unrealistisch, sondern die Umstände haben sich mittlerweile derart verändert, dass eine Aufgabe der Golanhöhen durch Israel umso riskanter wäre.
 
Diese Analyse teilt sich in sieben Abschnitte:
 
·          Geografie und Geschichte der Golanhöhen
·          Ein Friedensvertrag mit Syrien – Wahrheit und Täuschung
·          Israels aktuelles Sicherheitskonzept
·          Die Bedeutung strategischer Tiefe
·          Die 1999-2000 diskutierten Sicherheitsvereinbarungen
·          Veränderte Rahmenbedingungen seit 2000
·          Diplomatische und militärische Konsequenzen einer Rückzugs vom Golan
 
Geografie und Geschichte der Golanhöhen
 
Die geografische Struktur
 
Die Gesamtfläche der Golanhöhen ist 1 800 km², von denen Israel 1 200 km² kontrolliert. Im Norden wird der Golan durch den Berg Hermon (teilweise in israelischer Hand) begrenzt, im Westen durch den Jordanfluss und den See Genezareth und im Süden durch den Jarmuk. Er ist 62 Kilometer lang und zwischen 12 Kilometer in der Gegend von Madschdal Schams und 26 Kilometern am Berg Phares breit.
 
Seine maximale Höhe erreicht er auf dem von Syrien kontrollierten Teil des Bergs Hermon mit 2 814 Metern, während der höchste israelisch kontrollierte Punkt der „Schneebeobachtungsposten“ auf 2 224 Metern ist. Die durchschnittliche Höhe der Golanhöhen liegt bei 1 000 bis 1 200 Metern, an ihrer südlichen Stelle liegen sie 250 Meter über dem Meeresspiegel und am Rand des See Genezareth ungefähr 450 Meter. An der Westseite fallen steinige Klippen 500 Meter tief ab ins Jordantal bzw. zum See Genezareth. Der östliche Teil des Golan ist eine Wasserscheide. Seine Hügel zu kontrollieren verleiht den israelischen Streitkräften im Falle eines syrischen Angriffs einen entscheidenden topografischen Vorteil. So befindet sich einer dieser Berge – der Avital – mit einer Höhe von 1 204 Metern unter IDF-Kontrolle, während das gegenüberliegende syrische Gebiet auf 700 bis 800 Metern gelegen ist. Für die israelischen Bodentruppen ist diese Kontrolle daher von hoher Bedeutung.
 
Der Golan ist ein äußerst schmales Gebiet ohne die Art Tiefe, von der Israel bei der Halbinsel Sinai profitierte (280 Kilometer). Dennoch bietet dieses Territorium Israel unschätzbare Defensivvorteile aufgrund seiner einmaligen topografischen Beschaffenheit. Auf der einen Seite bietet die Kontrolle dieses Terrains Feuerhoheit und Observation über ein weit nach Syrien hineinreichendes Gebiet. Auf der anderen Seite fällt ein Großteil des israelischen Teils nach Westen hin ab und verhindert so syrische Überwachung und Flachfeuer. Zusätzlich ist der Großteil der östlichen Hügel für Panzer nicht passierbar und zwingt so feindliche Truppen, sich auf tiefer liegenden und von den IDF beobachteten und kontrollierten Gebieten zu bewegen. Solange Kriege durch die Bewegung von Bodentruppen entschieden werden, bleiben diese Erwägungen von Terrain und Topografie entscheidend für die Verteidigungsfähigkeit Israels, unabhängig von der wachsenden Verbreitung ballistischer Raketen im nahöstlichen Konfliktfeld.
 
Die Geschichte des Golan
 
Die jüdische Besiedlung des Golan begann in der Zeit König Herodes‘ (23 v.u.Z.), als Juden eine Reihe Siedlungen im Süden und im Zentrum der Höhen anlegten. Bis heute werden die Überreste von Synagogen und anderer Gebäude in der Nähe der Stadt Katzrin bewahrt. Die jüdische Gemeinde auf den Golanhöhen wurde von den Römern während des Jüdischen Krieges (66-74 u.Z.) zerstört. Erwähnenswert sind hierbei die Eroberung der Stadt Gamla und die Ermordung ihrer Einwohner im Jahr 66.
 
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Nahe Osten im Sykes-Picot-Abkommen von 1916 zwischen Großbritannien und Frankreich aufgeteilt. Die Grenze zwischen den beiden Einflusssphären wurde 1923 gezogen – Frankreich erhielt das Gebiet des heutigen Syrien und des Libanon, welches zum Mandat des Völkerbundes wurden, Großbritannien das des heutigen Israel als Teil des Völkerbundsmandat Palästina. Diese Grenze verschaffte Großbritannien einen klaren Vorteil in allen Fragen, die den Zugang zu Wasser betrafen. Die Grenze der französischen Einflusssphäre verlief östlich der Banyas-Quellen, 50 Meter östlich des Jordan und 10 Meter östlich des See Genezareth, womit Großbritannien ohne Zweifel über die exklusive Kontrolle der Wasserquellen verfügte.
 
Die Syrer kontrollierten die Golanhöhen vom Beginn ihrer Unabhängigkeit 1946 bis 1967, als Israel das Territorium während des Sechstagekriegs eroberte. Ursprünglich kontrollierte Israel noch zusätzliches Gelände im Zentralgolan, einschließlich der Stadt Kuneitra. Doch während des Yom-Kippur-Krieges von 1973 eroberten die Syrer den Hermon und durchbrachen die israelischen Verteidigungslinien an der östlichen Hügelkette. Im nördlichen Golan wurden die Syrer trotz ihrer zahlenmäßigen Überlegenheit vor der Linie gestoppt. Beim Gegenangriff stellten die IDF die Kontrolle des Gebiets wieder her und eroberten zusätzliches syrisches Gebiet, bekannt als die „syrische Enklave“.
 
Im Waffenstillstandsabkommen von April 1974 verpflichtete sich Israel, Syrien sowohl die „Enklave“ als auch Kuneitra zurückzugeben. Trotz nachhaltigen diplomatischen Drucks von Seiten des amerikanischen Außenministers Henry Kissinger weigerte sich Israel, sich von der östlichen Hügelkette zurückzuziehen und bestand darauf, dass die „Kuneitra-Hügel“ (Hermonit, Avital und Bental) in israelischen Händen verbleiben sollten.
 
Heute leben 40 000 Menschen – die Hälfte von ihnen Juden –  auf den Golanhöhen. Die andere Hälfte setzt sich aus 17 000 Drusen, die in vier Gemeinden im Nordosten des Golan leben, und ungefähr 3 000 Alawiten in Ghajar, einem Dorf an der alten Grenze zwischen Israel, Syrien und Libanon, zusammen.
 
 
Ein Friedensvertrag mit Syrien – Wahrheit und Täuschung
 
Man geht davon aus, dass ein formales Friedensabkommen zwischen Israel und Syrien im Bereich des Möglichen liegt, sollte Israel bereit sein, sich von den Golanhöhen zu den Grenzen vom 4. Juni 1967 zurückzuziehen, womit die Syrer an die Ufer des See Genezareth vorrücken würden. Es ist glaubhaft, dass Damaskus unter zusätzlichen Bedingungen (US-Unterstützung) tatsächlich an einem solchen Abkommen interessiert wäre.
 
Ein solches Friedensabkommen würde vier Bestandteile haben:
 
1.     Die Übertragung der gesamten Golanhöhen unter syrische Souveränität
2.     Die Pflege diplomatischer Beziehungen zwischen Syrien und Israel
3.     Die Lösung der Wasserfrage
4.     Sicherheitsvereinbarungen, die Israel für den Verlust des Gebietes entschädigen
 
Unabhängig jedoch von der Frage der Ratsamkeit eines solchen Abkommens aus israelischer Perspektive und ohne Bezug auf zukünftige Sicherheitsvereinbarungen – die Hauptgegenstand dieser Studie sind – hat sich in den vergangenen Jahren die gefährliche Tendenz herauskristallisiert  zu glauben, dass ein Friedensvertrag mit Syrien positive Auswirkungen in sieben zusätzlichen Bereichen haben werde.
 
1. „Ein israelisch-syrisches Friedensabkommen wird einen Keil zwischen Syrien und den Iran treiben.“
 
Selbst wenn man –  der Argumentation wegen – zustimmt, dass die iranisch-syrischen Beziehungen als Folge eines Friedensvertrages mit Israel beschädigt werden würden – was alles andere als garantiert ist, da die Syrer offiziell darauf bestehen, dass dies nicht passieren wird, und der Iran nicht gegen solche Beziehungen ist, solange sie zu territorialen Zugeständnissen Israels führen – steht diese Frage in keinem Zusammenhang zu der allerwichtigsten Bedrohung, die vom Iran ausgeht – sein Streben nach Atomwaffen. Syrien mag gegenwärtig auf den Iran angewiesen sein, nicht jedoch der Iran auf Syrien. Die größte strategische Bedrohung Israels wären Atomwaffen in den Händen des Iran. Diese Bedrohung würde fortbestehen und nicht davon beeinflusst werden, ob es zu einem Friedensvertrag zwischen Israel und Syrien käme.
 
2. „Ein Friedensvertrag zwischen Syrien und Israel wird die Hisbollah schwächen.“
 
Während der Verhandlungen von 1999 und 2000 wurde der Libanon sowohl semiformal wie de facto von Syrien beherrscht. Während dieser Zeit konnte Damaskus die Verantwortung für das, was im Libanon passierte, nicht abstreiten und war daher genötigt zuzustimmen, dass ein Friedensvertrag zwischen Israel und Syrien auch einen vollständigen Frieden mit Libanon bedeuten würde. Ein Friedensvertrag mit Libanon hätte die Syrer gezwungen, die Auflösung der Hisbollah als Kampfverband zu garantieren.
 
Heute hat sich die Situation geändert. Unter internationalem Druck war Syrien 2005 gezwungen, seine Truppen aus dem Libanon abzuziehen und ist gegenwärtig nicht verantwortlich für den Staat. Da Syrien sich für das Geschehen im Libanon nicht mehr verantwortlich sieht und in der Annahme, dass es nach wie vor ein Interesse an der Stärkung der Hisbollah selbst im Falle eines Friedensvertrages mit Israel hat, sollte daher klar sein, dass die Hisbollah weiterhin eine Bedrohung Israels vom Libanon aus darstellen würde. Man muss sich daran erinnern, dass eine enge Beziehung zur Hisbollah Damaskus immer wichtig war, um seine Interessen im Libanon zu wahren – zu allen Zeiten eine oberste Priorität des syrischen Regimes.
 
3. „Ein israelisch-syrischer Friedensvertag wird die Hisbollah an der Aufrüstung hindern.“
 
In erster Linie erhält die Hisbollah ihre politische, ökonomische und militärische Unterstützung vom Iran. Der Iran kann seine Waffen über Syrien, aber auch über andere Routen der Hisbollah zukommen lassen. Da ein syrisches Interesse an der fortgesetzten Stärkung der Hisbollah auch nach Unterzeichnung eines Friedensvertrages mit Israel bestehen bleiben wird, ist davon auszugehen, dass sich der Waffentransfer an die Hisbollah über Syrien fortsetzen wird, selbst wenn die Methoden geheimer werden sollten. Man muss sich dabei an die Schwierigkeiten Ägyptens erinnern, den Waffenschmuggel von seinem Territorium nach Gaza zu unterbinden, ungeachtet der Tatsache, dass die Grenze Gaza-Ägypten nur 12 Kilometer lang und flaches Gelände ist. Die syrische Grenze mit dem Libanon erstreckt sich hingegen über hunderte Kilometer, meist gebirgiges Terrain mit zahlreicher Deckung. Solange es auf beiden Seiten einen Willen gibt, den Waffentransfer aufrecht zu erhalten, solange dürfte er fortgesetzt werden.
 
4. „Ein Friedensvertrag mit Syrien ist hilfreich für die israelisch-palästinensischen Verhandlungen.“
 
Man kann davon ausgehen, dass das Gegenteil der Fall sein wird. Es ist wahrscheinlich, dass es für Israel schwierig wird, beide Verhandlungen parallel zu führen. Sollte dem so sein, so werden die Palästinenser sich mit aller Wahrscheinlichkeit zurückgesetzt fühlen, was wiederum zu weiteren Frustrationen führen wird, möglicherweise zum Ausbruch einer „Dritten Intifada“.
 
5. „Ein Friedensvertrag zwischen Syrien und Israel wird Syrien dazu nötigen, das Hamas-Hauptquartier aus Damaskus zu verbannen.“
 
Dies mag tatsächlich geschehen, doch wieso ist es so wichtig, wo Khaled Mashaal, der exilierte Führer des politischen Arms der Hamas, wohnt? Außerdem könnte es im Falle eines solchen Friedensvertrages zwischen Israel und Syrien fast vorteilhafter sein, dass sich das Hamas-Hauptquartier in Damaskus befindet (und Syrien darauf Einfluss nehmen könnte) als wenn es sich im Jemen, Sudan oder in Somalia befindet.
 
6. „Ein Abkommen mit Syrien wird Israels Beziehungen mit der arabischen Welt verbessern.“
 
Die arabische Welt hat sich der palästinensischen Sache, nicht jedoch gleichermaßen der syrischen verschrieben. Genauso wenig wie die israelisch-ägyptischen und die späteren israelisch-jordanischen Friedensvereinbarungen die Haltung anderer arabischer Staaten gegenüber Israel wesentlich änderten, so würde ein Abkommen mit Syrien auch nicht allzu viel Veränderung herbeiführen. Zudem ist die arabische Welt geteilt in eine pro-iranische Achse, einschließlich Syrien, Katars, der Hisbollah und der Hamas auf der einen Seite, und einer anti-iranischen mit Ägypten, Saudi Arabien, Jordanien und anderen Staaten auf der anderen Seite. Unter den gegenwärtigen Bedingungen könnten Ägypten und Saudi Arabien eher daran interessiert sein, das syrische Regime zu isolieren und würden nicht unbedingt positiv auf diplomatische Züge reagieren, durch die Bashar Assad an internationaler Legitimität gewinnt.
 
7. „Ein Friedensvertrag mit Syrien würde die internationale Unterstützung Israels verbessern.“
 
Die Welt empört sich über die israelische „Besatzung“ in den Palästinensergebieten und möchte dieses Problem gelöst sehen. Ein Friedensvertrag mit Syrien hätte wenig Einfluss auf die israelische Legitimität.
 
Zusammenfassend gesagt gibt es also jene, die behaupten, eine Aufgabe des Golans wäre angesichts der umfangreichen politischen Vorteile ein lohnendes strategisches Risiko für Israel im Kontext eines Friedensvertrages mit Syrien. Tatsächlich sind die strategischen Vorteile als eher gering zu bewerten und alles andere als garantiert.
 
Veränderungen des Kräfteverhältnisses
 
Seit dem Yom-Kippur-Krieg hat sich das Kräfteverhältnis zwischen Israel und Syrien wesentlich verschoben. Im klassischen konventionellen Bereich ist die zahlenmäßige Überlegenheit Syriens durch Israels qualitative militärische Innovationen abgelöst worden. Heute verfügt Israel in nahezu allen Bereichen über einen Vorsprung. Die Gefahr einer syrischen Invasion – eine deutliche Bedrohung im Jahr 1973 – hat sich dank der umfassenden Verbesserung der israelischen Fähigkeit, gepanzerte Fahrzeuge aus der Luft und auf dem Boden zu zerstören, deutlich verringert.
 
Auch der relative Vorsprung der israelischen Luftwaffe und Marine hat sich gegenüber ihren syrischen Gegenstücken merklich verbessert. Die syrische Luftwaffe ist auf einem sehr niedrigen technischen und operationellen Bereitschaftslevel. Syriens Stärke, seine Luftabwehr, bleibt eine Herausforderung, hat sich jedoch nur geringfügig weiter entwickelt im Vergleich zu den Fähigkeiten der israelischen Luftwaffe, sie zu konfrontieren.
 
Angesichts der deutlichen Fortschritte Israels auf diesen Gebieten hat Syrien drei Fähigkeiten entwickelt, um das israelische Vermögen auszugleichen. Die erste sind die Nahkampffähigkeiten seiner Infanterie, die mit den fortschrittlichsten Panzerabwehrraketen und Nachtsichtgeräten ausgestattet ist. In den letzten vierzig Jahren sind die Verbesserungen in der Panzerabwehrwaffentechnik (Reichweite, Durchschlagskraft, Mobilität, Nachteinsatz) schneller gewachsen als die Vorteile gepanzerter Fahrzeuge selbst, wodurch eine Situation entstanden ist, in der Infanterie und Kommandotruppen in dicht bebautem oder deckungsreichem Gelände gepanzerten Truppen überlegen sind.
 
Die zweite entscheidende syrische Fähigkeit findet sich im Bereich der Boden-Boden-Raketen. Zusätzlich zu ihrem Arsenal schwerer Raketen, die jedes Ziel in Israel erreichen können, haben die Syrer sich große Mengen an Raketen besorgt mit einer effektiven Reichweite von ein paar bis zu 200 Kilometern. Aus israelischer Perspektive ist dieses Netzwerk problematischer als die schweren Boden-Boden-Raketen, da sie weit zahlreicher, akkurater und besser getarnt sind.
 
Die dritte syrische Fähigkeit bezieht sich auf Syriens Arsenal chemischer Waffen, die sowohl mit Hilfe von Raketen als auch mit anderen Mitteln zum Einsatz gebracht werden können.
 
 
Israels aktuelles Sicherheitskonzept
 
Das Konzept der IDF für den Konfliktfall mit Syrien basiert auf dem Bemühen, die relativen Vorsprünge auf Grundlage von sieben Prinzipien zu maximieren:
 
1. Ausgehend von der Annahme, dass ein Krieg mit Syrien gleichzeitig Krieg mit der Hisbollah bedeutet, kommt dem Sieg über Syrien Priorität zu.
 
2. Die gegenwärtige Verteidigungslinie auf dem Golan ist nahezu optimal. Sie gestattet Israel, die Golanhöhen mit einer relativ kleinen Truppe zu verteidigen und gleichzeitig Truppen unter günstigen Bedingungen in Angriffsposition zu bringen. Zudem verschaffen die guten Verteidigungsmöglichkeiten des Terrains Israel die Zeit, einen Großteil seiner Luftwaffe zu Beginn des Konfliktes zu sammeln, um die Lufthoheit abzusichern, anstatt den Bodenkämpfen unmittelbar Unterstützung leisten zu müssen. Der Gewinn der Lufthoheit zu Beginn ist die notwendige Bedingung, um die syrischen Boden-Boden-Raketen auszuschalten, sowie den Bodeneinsatz zu unterstützen und Ziele in der syrischen Infrastruktur nachhaltig zu schädigen.
 
3. Ein Sieg über Syrien hängt in erster Linie an der israelischen Fähigkeit, substantielle Teile der syrischen Truppen zu Land, zu Wasser und zur Luft zu zerstören.
 
4. Ein schneller Sieg verlangt Manövrierfähigkeit auf dem Boden, um innerhalb einiger weniger Tage die Gegend von Damaskus zu bedrohen.
 
5. Israel muss Syrien davon abhalten, chemische Waffen einzusetzen, sei es durch ihre Zerstörung, sei es durch Abschreckung.
 
6. Israel muss, unabhängig von der Größe israelischer Territorialgewinne in Syrien, das Land daran hindern, seinerseits am Ende des Krieges israelisches Territorium zu gewinnen.
 
7. Israel vermag es nicht, einen massiven Beschuss mit Boden-Boden-Raketen zu verhindern, einschließlich syrischen Feuers auf Israels strategisches Hinterland. Durch die Aufbringung aller Mittel kann Israel das Ausmaß des Feuers auf das Hinterland reduzieren, doch die sinnvollste Antwort auf eine syrische Bedrohung ist das Erzielen eines schnellen Sieges. Ein Sieg wird durch das Ausschalten eines Großteils der syrischen Streitkräfte entschieden, bei Beibehaltung einer für Israel günstigen Verlustrate, dem Zerstören der strategischen Interessen des syrischen Regimes sowie einer Bodenoffensive gegen die syrische Hauptstadt.
 
 
Die Bedeutung strategischer Tiefe
 
Geostrategische Eigenschaften bleiben das wesentliche Moment für die Fähigkeit eines Landes, sich selbst zu verteidigen. England wurde wegen seiner Insellage kaum Opfer einer Eroberung. Russland wurde aufgrund seiner Größe und strategischen Tiefe weder von Napoleon noch von Deutschland erobert. Die Sowjetunion war in den Achtzigern und die Vereinigten Staaten sind in der Gegenwart mit dem Problem konfrontiert, Afghanistan mit seiner Größe und topografischen Beschaffenheit zu kontrollieren. Israel sieht sich von der Hisbollah im Libanon und der Hamas in Gaza bedroht, nicht aufgrund ihrer Stärke, sondern weil die Geografie Israels es ihnen erlaubt, mit Hilfe primitiver Waffen tief in israelisches Territorium zu treffen. Befände sich die Hisbollah mit demselben Arsenal 200 Kilometer von der israelischen Grenze entfernt, würde sie nicht als Bedrohung gesehen werden.
 
Obwohl die ägyptische Armee der syrischen weit überlegen ist, kann man davon ausgehen, dass im Falle eines Regimewechsels in Ägypten zugunsten eines israelfeindlichen und kriegslüsternen Regimes, Israel eine glaubwürdige Fähigkeit hätte, einem Angriff standzuhalten. Der entscheidende Grund sind die 280 Kilometer Distanz zwischen dem Suezkanal (die ägyptische Armee ist westlich davon stationiert) und der israelischen Grenze.
 
Die angreifende Macht ist der verteidigenden v.a. dahingehend überlegen, dass sie ihre Kräfte sammeln und den Militärschlag konzentrieren kann. Während die Verteidigung die ganze Breite der Front kontrollieren muss, weil der Schauplatz des Vorstoßes nicht klar ist, kann der Angriff im ersten Zug ein begrenztes Gebiet aussuchen, dort sein Kräfte konzentrieren und die entscheidende territoriale Überlegenheit am Ort seiner Wahl erzielen. Wie kann man sich also verteidigen? Das wichtigste Verteidigungsprinzip ist „Tiefe und Reserven“. Nach diesem Prinzip braucht die Verteidigung nur einen kleinen Teil ihrer Kraft nach vorn schicken und, sobald der Ort des Hauptangriffs korrekt identifiziert wurde, den Großteil der im Hinterland befindlichen Kräfte ins Spiel bringen, sowohl, um die Truppen am Kriegsschauplatz zu verstärken, als auch, um zum Gegenangriff überzugehen.
 
Die Verteidigung benötigt Tiefe, um ihre Kräfte effizient einzusetzen. Man bedarf einer umkehrbaren Situation, selbst wenn der Angreifer anfängliche Erfolge feiert und es schafft, einen Teil des Gebietes zu erobern. Die Situation ist solange umkehrbar, solange der Angreifer nicht das strategische Hinterland mit seiner Präsenz bedroht und solange er sich nicht an einer Stelle befindet, die es den Reservekräften verunmöglichen, eine Gegenaktion effizient auszuführen.
 
Das Vermögen zu einer effektiven Verteidigung ist abhängig von dem Vorhandensein strategischer Tiefe – der Distanz zwischen der Frontlinie und dem Hinterland – sowie der Beschaffenheit des Geländes.
 
Auf den Golanhöhen ist die Distanz zwischen Front und Hinterland minimal. Zudem würde wegen der Struktur des Terrains jedes Verlegen der Kontaktlinie von der jetzigen Position nach Westen die Fähigkeiten, das Territorium zu verteidigen, drastisch reduzieren. Trotzdem ließen sich zwei hypothetische Grenzlinien westlich der gegenwärtigen Verteidigungslinie ziehen. Die erste könnte sich auf der „hinteren Hügelkette“ ca. 3-5 Kilometer westlich von der gegenwärtigen Grenze befinden.
 
Sie würde im Norden bei Dschebel Keta (südlich von Madschdal Schams) beginnen und verliefe südlich nach Tel Shiban, Mt. Shifon, Tel Fazra und Givat Bezek. Diese Linie bietet wenig diplomatische Logik, würde aber die Übertragung von drei der vier Drusendörfer (ohne Ein Kinya) an Syrien gestatten. Die zweite Linie ist die „Klippenlinie“ 2-5 Kilometer vom Jordan entfernt. Dies wäre das letzte Hochgebiet vor dem steilen Westabfall Richtung Jordan, Hulaebene und See Genezareth. Aus diplomatischer Perspektive hieße ein Rückzug an diese Linie, den ganzen Golan aufzugeben, einschließlich fast aller jüdischer Ortschaften hier.
 
Aus militärischer Perspektive ergäben sich aus dieser Linie einige Vorteile gegenüber einem vollständigen Rückzug auf die westliche Seite des Jordan. Eine fortgesetzte beidseitige israelische Kontrolle des Jordan würde die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Truppen schneller passieren könnten. Zusätzlich wären israelische Truppenkonzentrationen in der Hulaebene und die Region des See Genezareth weniger syrischem Flachfeuer ausgesetzt.
 
Zusammengefasst hieße das, dass nur die gegenwärtige Grenzlinie dem Staat Israel eine zuverlässige Verteidigung ermöglicht. Sie schafft eine, wenn auch minimale, strategische Tiefe und gestattet ein Kontrolle nach Osten, tief in syrisches Gebiet. Jedwede Westverschiebung würde angesichts der topografischen Beschaffenheit des Geländes, das von Ost nach West abfällt, das israelische Verteidigungsvermögen nachhaltig schwächen. Die beiden anderen hier diskutierten möglichen Verteidigungslinien sind deutlich schlechter, aber jeder Grenze westlich des Jordan vorzuziehen.
 
Die 1999-2000 diskutierten Sicherheitsvereinbarungen
 
Die Sicherheitsvereinbarungen
 
Als der Gegenstand eines möglichen israelischen Rückzugs von den Golanhöhen in den neunziger Jahren aufgeworfen wurde, war die erste vom israelischen Verteidigungsestablishment diskutierte Frage, ob Israel einen Verteidigungskrieg von der Hulaebene aus führen könne. Es gab ein Einvernehmen in der politischen Führung unter Premierminister Ehud Barak, dass Israel im Verteidigungsfall an der Linie stehen müsse, an der es gegenwärtig stationiert ist. Wie konnte eine solche Schlussfolgerung mit dem Verständnis vereinbart werden, dass ein Friedensabkommen mit Syrien eine Preisgabe der gesamten Golanhöhen erforderte? Die Antwort lag in Sicherheitsvereinbarungen, die die Kluft zwischen einer Aufgabe des Golan und einer Situation überbrücken sollten, in der garantiert wäre, dass im Kriegsfall die IDF zu dem Ort zurückkehren könnten, wo sie gegenwärtig standen. Dies war ein Versuch, „zu verzichten, ohne den Verzicht zu spüren.“
 
Die Idee basierte auf zwei Annahmen:
 
1. Israel würde tatsächlich den Golan abgeben und seine nächsten Kräfte unterhalb der Höhen stationieren, das Territorium würde jedoch völlig demilitarisiert und die syrischen Divisionen würden nach Osten in die Damaskus-Region oder noch weiter zurückgezogen.
 
2. Israel würde eine Frühwarneinrichtung auf dem Hermon behalten und so in der Lage sein, jede ernste Verletzung dieser Vereinbarung zu identifizieren.
 
Auf Grundlage dieses Sicherheitskonzeptes würden die IDF in dem Augenblick, an dem man feststellen würde, dass Syrien Krieg beabsichtige, oder wenn eine Verlegung syrischer Truppen nach Westen identifiziert würde, rasch ihre Kräfte nach Osten auf die demilitarisierten Golanhöhen bewegen.
 
Da IDF-Truppen in der Hulaebene (und südlich des See Genezareth) stationiert würden, 20 Kilometer von der gegenwärtigen Grenze, die Syrer hingegen 60-80 Kilometer von dieser Grenze, war zu erwarten, dass die IDF ihre optimale Verteidigungslinie vor dem Eintreffen der Syrer erreichen würde. Auf diese Weise käme es zu einem Aufeinandertreffen zwischen israelischen und syrischen Truppen am Verlauf der gegenwärtigen Grenze, der „östlichen Hügelkette.“
 
Schwäche der Sicherheitsvereinbarungen
 
Die in den Neunzigern vorgeschlagenen Sicherheitsvereinbarungen wiesen jedoch eine Reihe von Mängeln auf. Zunächst gingen sie von fünf gefährlichen Annahmen aus, die in Folge besprochen werden. Desweiteren bezogen sie sich nur auf die Bedrohung durch gepanzerte syrische Divisionen und ignorierten andere Gefahren, deren Ausmaß wuchs.
 
Fünf problematische Annahmen:
 
1. „Im Falle eines Kriegsausbruchs werden beide Seiten sich an dem vorgeschrieben Ort befinden.“
 
Israels Erfahrung mit Ägypten während des Yom-Kippur-Krieges von 1973 hat gezeigt, dass eine derartige Annahme unrealistisch ist. Man kann davon ausgehen, dass im Laufe der Jahre die Umsetzung der Verpflichtungen erodierten wird, sowohl im Hinblick auf die heimliche Aufrüstung der demilitarisierten Zone mit verbotenen Waffen als auch mit der Verlagerung von Truppen. Während Panzer und schwere Artillerie leicht auszumachen sind, ist es nahezu unmöglich, den Ort von Panzer- und bestimmten Luftabwehrwaffen sowie kleineren Raketen zu bestimmen.
 
2. „Eine Warnung wird in Echtzeit erfolgen.“
 
Diese Annahme geht davon aus, dass, sollte Israel über ein Frühwarnsystem auf dem Hermon verfügen, es immer möglich sein wird, eine syrische Truppenbewegung in Echtzeit zu identifizieren, um eine effektive Antwort einzuleiten. Diese Annahme geht wiederum davon aus, dass, da Israel gegenwärtig über einen guten Nachrichtendienst darüber verfügt, was in Syrien vor sich geht, es diese Fähigkeiten auch nach einem Rückzug vom Golan bewahren wird können. Doch die nachrichtendienstlichen Fähigkeiten Israels im Hinblick auf Syrien basieren auf einer ganzen Reihe von Komponenten, mit hoher Prüfungsdichte und auf breiter Grundlage. Diese Dichte verdankt man einer hohen Zahl an nachrichtendienstlichen Einrichtungen auf dem Golan.
 
Gemäß der 2000 diskutierten Vereinbarungen sollte es eine Warnstation auf dem Hermon geben. Gegenwärtig verfügt Israel über zwei große Stationen auf dem Hermon, die Daten sichern sowie drei zusätzliche Stationen verteilt über die ganze Länge des Golan. Eine Station auf dem Hermon kann unmöglich ausreichend nachrichtendienstliches Material liefern. Zudem ist klar, dass, selbst wenn diese eine Station auf dem Hermon von Israelis besetzt ist, es immer eine Reihe von Grenzen für ihre Zahl und Handlungsfreiheit geben wird.
 
3. „Ein Verletzung von Seiten Syriens wird sich immer korrekt interpretieren lassen.“
 
Selbst wenn die israelischen Nachrichtendienste eine abweichende Bewegung auf der syrischen Seite korrekt identifiziert haben, so gibt es keine Garantie dafür, dass eine Interpretation akkurat sein wird. Die Geschichte ist voller Beispiele von Situationen, in denen eine Feindbewegung korrekt identifiziert wurde, die angegriffene Seite jedoch nicht die entsprechenden Gegenmaßnahmen einleiteten, weil sie die feindlichen Aktivitäten recht nachsichtig interpretierte. Das wichtigste Beispiel hier ist der Yom-Kippur-Krieg. Die Konzentration ägyptischer Kräfte in der Nähe des Suezkanals war vom israelischen Geheimdienst korrekt identifiziert worden, wurde aber lediglich für eine Militärübung gehalten. In einer Situation, in der syrische Divisionen vor souveränem syrischem Territorium in Frontstellung gehen, bietet sich den Syrern eine Menge an Ausflüchten. So könnte Damaskus die Armee unter dem Vorwand losschicken, angeblichen Unruhen syrischer Bürger auf dem Golan zu begegnen, in Wirklichkeit aber, um syrische Kampfverbände gegen Israel in Stellung zu bringen.
 
4. „Die israelische Regierung wird unverzüglich und nachdrücklich auf jede ernsthafte Verletzung reagieren.“
 
In seinem Buch Shaping Israeli Policy toward Syria nennt Ron Tira das diesen Annahmen zugrunde liegende Konzept das „Stolperdrahtprinzip“. Danach würde jedwede syrische Verletzung Israel zu einer automatischen, schnellen und effektiven Reaktion in Echtzeit bewegen.
 
Doch selbst wenn von Seiten der Nachrichtendienste eine Warnung in Echtzeit geboten wird, und selbst wenn sie korrekt identifiziert wird, liegt es dennoch an der israelischen Regierung zu entscheiden, ob sie israelische Truppen auf die Golanhöhen verlegen soll, bevor die syrische Truppen das Gebiet erreichen. Diese Entscheidung wird innerhalb weniger Stunden getroffen werden müssen. Die Schwierigkeit ergibt sich aus der so entstehenden asymmetrischen Situation. Eine Bewegung syrischer Truppen in Richtung Grenze wäre in der Tat eine Verletzung des Abkommens, doch da sie sich auf souveränem syrischen Territorium abspielen würde, wäre es schwer, zweifelsfrei einen Casus Belli festzustellen. Im Gegensatz dazu würde eine Truppenbewegung Israels in die gleiche Region jedoch die Überschreitung einer internationalen Grenze auf souveränes Territorium eines anderen Staates bedeuten. Damit hätte Israel aus internationaler Perspektive einen Krieg gegen einen Staat begonnen, mit dem es einen Friedensvertrag hat. Abgesehen davon ist es nicht unbedingt sicher anzunehmen, dass die israelische Regierung rasch zu einer schärferen Deutung einer derartigen syrischen Truppenverlegung käme und sich innerhalb weniger Stunden für einen Krieg entscheiden würde.
 
5. „Die IDF werden ihre Pläne umsetzen und schneller als die syrischen Truppen ihre Stellungen auf der ‚Hügelkette‘ einnehmen.“
 
Selbst wenn Israel alle diese Herausforderungen bestehen würde, müssten die IDF immer noch unverzüglich ihre optimale Position auf der „östlichen Hügelkette“ und ohne wesentliche Kräfteverluste einnehmen. Es gibt jedoch drei Faktoren, die einem solchen Manöver entgegenstehen könnten.
 
a) Nach einem Abkommen würde das Gelände nicht den notwendigerweise den gegenwärtigen Golanhöhen entsprechen. Man kann erwarten, dass Syrien Städte und Dörfer auf den wesentlichen Transportwegen anlegt. Ebenfalls ist wahrscheinlich, dass die Syrer Panzerabwehrbarrieren getarnt als Bewässerungskanäle anlegen und so das Vorankommen der israelischen Truppen behindern werden.
 
b) Die Syrer würden wahrscheinlich einen Zeitpunkt wählen, an dem die Wetterbedingungen am nachteiligsten sind, wodurch Bodenbewegungen besonders beeinträchtigt werden.
 
c) Schließlich wäre Israel zu rascher Landnahme gezwungen, um die Hochstellungen vor den Syrern einzunehmen, weshalb eine Bodenoffensive der erste Zug Israels sein müsste und Israel auf vorherige vorbereitenden Operationen aus der Luft verzichten müsste.
 
Reaktion auf veränderte Bedrohungen
 
Drei zusätzliche Probleme verbleiben, für die die Sicherheitsvereinbarungen von 2000 keine Antworten boten:
 
1. Gesteigerte Effektivität von hochentwickelten Panzer- und Luftabwehrraketen
 
Beide Waffen können von einem einzigen Soldaten oder zwei Infanteristen transportiert und eingesetzt werden. Diese relative Verbesserung der beiden Waffentypen ist größer als die verbesserten Fähigkeiten von Panzern, Flugzeugen, v.a. aber Hubschraubern und Drohnen, ihnen zu widerstehen.
 
Abgesehen von den taktischen Vorsprüngen dieser Waffen haben sie den Vorteil, dass es keinen Überwachungsapparat gibt, der ihre Stationierung auf dem Golan kontrollieren könnte. Während ein effektiver Überwachungsapparat die verbotene Präsenz von Panzern und Artillerie identifizieren kann, so gelingt ihm das nicht mit einem Lastwagen, auf dem sich unter Gemüsekisten Kornet-Panzerabwehrraketen oder SA-18-Luftabwehrraketen verbergen.
 
2. Zu erwartende Urbanisierung der Golanhöhen
 
Israel muss davon ausgehen, dass Syrien Städte und Gemeinden auf den „befreiten“ Golanhöhen entlang der Transportwege anlegen wird, die einen Zwangskorridor für die einrückenden israelischen Truppen darstellen, sowie entlang der Klippenlinie oberhalb der Hulaebene.
 
In diesen Ortschaften wird es „Polizisten“ geben, die tagsüber mit Pistolen patrollieren, doch, wenn der Zeitpunkt kommt, zusammen mit „Zivilisten“ Tausende von Panzer- und Luftabwehrraketen bedienen können, die in diesen Ortschaften gelagert werden. Die Kombination aus dicht besiedeltem Gebiet und Infanteristen, die hochentwickelte Panzerabwehrwaffen bedienen, könnte die Bewegung israelischer Truppen verlangsamen und in hohen Verlusten münden. Selbst wenn es den IDF gelingen würde, die östliche Hügelkette zu erreichen, so muss dies doch nicht notwendigerweise vor der Ankunft der syrischen Truppen geschehen.
 
3. Die strategische Bedrohung durch Syrien
 
Mit allem Respekt vor der Bedeutung der syrischen Bodentruppen, die größte Bedrohung aus Syrien wird von zwei anderen Komponenten bestimmt – Boden-Boden-Raketen und die hohe Menge chemischer Waffen. Die Diskussionen von 1999-2000 bemühten sich nicht um eine Reduktion dieser beiden Fähigkeiten. Es ist möglich, dass dies zum Scheitern verurteilt gewesen wäre, doch es ist wichtig festzuhalten, dass als Gegenleistung für die Aufgabe eines strategischen Vorteils erster Güte – die Golanhöhen – von Seiten Syriens kein Entgegenkommen bei der Reduktion seiner strategischen Fähigkeiten geboten wurde.
 
Veränderte Rahmenbedingungen seit 2000
 
Veränderungen in den militärischen Fähigkeiten Syriens
 
Seit den letzten Diskussionen über Sicherheitsvereinbarungen für die Golanhöhen hat sich viel im Kräfteverhältnis zwischen Israel und Syrien verändert. Diese Veränderungen haben die Bedeutung strategischer Tiefe nicht nur reduziert, sondern sie auch gleichzeitig erhöht.
 
Syrien hat den Vorsprung im Bereich von Waffen mit hoher Flugbahn – von Mörsern und Artillerie bis zu Boden-Boden-Raketen – ausgebaut. Mit nachlassendem Bedürfnis an Reichweite erhöht sich ganz natürlich die Anzahl effektiver Geschosse auf Seiten des Gegners. Die syrische Armee verfügt über Tausende von Mörsern und hunderten von Artilleriegranaten sowie Raketen mit einer Reichweite von mehr als 30 Kilometern sowie zahlreichen Boden-Boden-Raketen. Würde heute Krieg ausbrechen, könnten syrische Mörser nur die vordersten IDF-Posten treffen (welche entsprechend befestigt sind). Syrische Artillerie könnte das Innere der Golanhöhen erreichen, doch alle Logistik der IDF, Sammelstellen der Reservetruppen (ein besonders verwundbares Ziel), Kommandoquartiere und Luftwaffenbasen sind außerhalb der Artilleriereichweite und können nur von Boden-Boden-Raketen getroffen werden. Deren Zahl ist relativ klein und ihre Stellungen gegenüber Angriffen der israelischen Luftwaffe leicht verwundbar.
 
Eine Aufgabe der Golanhöhen würde jedoch eine Situation schaffen, bei der die Verfügungsräume der IDF in der Hulaebene in Reichweite der Mörser und Artillerie Syriens wäre. Die Struktur des Terrains würde auch garantieren, dass diese Gebiete auch in Reichweite der syrischen Panzerabwehrraketen wären. Es handelt sich hierbei nicht mehr um die Sagger-Raketen des Yom-Kippur-Krieges, sondern um hochentwickelte Raketen mit einer Reichweite von 5 Kilometern bei Tag und Nacht. Zusätzlich gestatten es die Verbesserungen der Luftabwehrraketen und ganz besonders die Existenz hochentwickelter schultergestützter Raketen den Syrern, diese Waffen vor einem Krieg in dicht bebauten Gegenden zu lagern und sie bei Kriegsausbruch an der vordersten Front einzusetzen.
 
Auf der anderen Seite wiederum verfügt Israel über den Vorteil seiner modernen Luftwaffe und seine Fähigkeit zur präzisen Zerstörung von Zielen von Land und von der Luft. Die Überlegenheit der IDF am Boden könnte jedoch unter Umständen nicht zur Geltung kommen, da eine Operation vorbereitende Aktivitäten verlangt und den Einsatz von Truppen aus Gebieten, die nicht unter gegnerischem Feuer liegen.
 
Zudem ist es wahrscheinlich, dass die Luftwaffe mit zwei Schwierigkeiten konfrontiert wird:
 
1. Die unmittelbare Bedrohung des strategischen Hinterlands Israels durch syrische Raketen wird die israelische Luftwaffe dazu nötigen, sowohl in Unterstützung der Bodentruppen zu operieren, als auch das syrische Raketenfeuer von Beginn an zu bekämpfen. Dies steht im Gegensatz zu dem gegenwärtigen Sicherheitskonzept, nach dem vorgesehen ist, dass die israelischen Bodentruppen eigenständig in den ersten Tagen vorrücken können, während die Luftwaffe Lufthoheit erobert. Lufthoheit im frühen Stadium ist nicht nur eine Voraussetzung für einen Sieg, sondern auch eine Bedingung zur Minimierung von Verlusten an der Front, Begrenzung des Raketenfeuers auf das Hinterland und Abkürzung der Kampfdauer.
 
2. Da die Bedrohung durch syrische Luftabwehrraketen bis in die Nähe des Landesinneren Israels reicht, deckt sie einen Großteil Nordisraels ab und erschwert ein effizientes Handeln der Luftwaffe.
 
Der libanesische Schauplatz
 
Die Verhandlungen zwischen Israel und Syrien von 1999-2000 beabsichtigten, zu einem allgemeinen Friedensvertrag zwischen Israel, Syrien und Libanon zu führen. Ein Teil des Abkommens verlangte die vollständige Auflösung der Kampftruppen der Hisbollah. 2005 waren die Syrer unter internationalem Druck gezwungen ihrer Truppen aus dem Libanon abzuziehen. Seitdem behauptet Syrien – durchaus zu Recht – dass es nicht für die libanesische Regierung sprechen würde und eine Auflösung der Hisbollah-Miliz nicht garantieren könne.
 
In Konsequenz könnte Israel zwar einen volle Friedensvertrag mit Syrien erreichen, der einen vollständigen Rückzug von den Golanhöhen verlangt, doch die Hisbollah würde weiterhin in voller Stärke verbleiben. Zudem gingen die Sicherheitsvereinbarungen davon aus, dass keine spürbare Bedrohung im Libanon existieren würde. Es sollte klar sein, dass eine Aufgabe des Golan ohne Garantien für die libanesische Flanke ein Akt nationaler Unverantwortlichkeit wäre.
 
Neue ökonomische Realitäten
 
In der vergangenen Verhandlungsrunde wurden Israel von Seiten der Vereinigten Staaten für die Aufgabe der Golanhöhen umfangreiche wirtschaftliche Kompensationen versprochen. Die zu dem damaligen Zeitpunkt diskutierte Summe belief sich auf 17 Mrd. US-Dollar und hätte zu spürbaren Verbesserungen der IDF-Fähigkeiten geführt. Es sollte deutlich sein, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt inmitten einer massiven wirtschaftlichen Krise die Vereinigten Staaten nicht mehr in der Lage sind, eine derart umfangreiche wirtschaftliche Kompensation zu bieten wie damals.
 
Mit anderen Worten würde Israel als Gegenleistung für die Gefährdung und die Schwächung, die es durch die Aufgabe der Golanhöhen erhalten würde, weder voll noch teilweise mit der Verbesserung seiner Fähigkeiten kompensiert werden.
 
Diplomatische und militärische Konsequenzen einer Rückzugs vom Golan
 
In absehbarer Zeit scheint die einzig mögliche Friedensvereinbarung zwischen Syrien und Israel von Israel die Aufgabe der gesamten Golanhöhen zu verlangen. Vielleicht würde sich Israel nicht in diesem Dilemma befinden, hätten nicht israelische Premierminister seit Rabin explizit oder implizit einem derartigen Arrangement zugestimmt. Denn in der Theorie wären auch andere Lösungen vorstellbar – eine Verpachtung des Golans, gemeinsame Souveränität, regional-territoriale Vereinbarungen etc. – doch gegenwärtig dürfte es unmöglich sein, die Syrer zu irgendeiner anderen Vorstellung zu bewegen außer, dass Israel die gesamten Golanhöhen in ihre Souveränität überträgt.
 
Ein solches Abkommen ist möglich und man kann davon ausgehen, dass die ganze Welt seine Umsetzung unterstützen würde. Im Gegensatz zu seiner Außendarstellung würde auch der Iran dieses Abkommen unterstützen, da er bislang das Abtreten von israelischen Gebieten an Araber unterstützt hat und dies auch zukünftig tun wird. Da Syrien darauf bestehen wird, dass ein Friedensvertrag mit Israel keinen Einfluss auf die Beziehungen zwischen Damaskus und anderen Ländern haben wird, dürfte solch ein Abkommen die syrisch-iranischen Beziehungen nicht schwächen. Ebenso wenig dürfte ein Friedensvertrag zwischen Syrien und Israel die militärische und politische Macht der Hisbollah nachhaltig einschränken, da die Hisbollah sehr viel mehr vom Iran und der Unterstützung der schiitischen Minderheit im Libanon abhängig ist. Ihr ist die öffentliche syrische Unterstützung weit weniger wichtig und eine Fortsetzung der Waffenlieferungen durch Syrien an die Hisbollah dürfte auch nach einem Friedensvertrag garantiert bleiben – selbst wenn Syrien sich zu etwas anderem verpflichten sollte.
 
Ein israelisch-syrischer Friedensvertrag würde also von Israel einen vollständigen Rückzug von den Golanhöhen verlangen. Der einzige Verhandlungsspielraum bestünde in zwei schmalen Landstreifen – einmal nordöstlich des See Genezareth und einmal in der Gegend von Hamat Gader. Diese Gebiete resultieren aus einer Lücke zwischen der internationalen Grenze von 1923 (der israelischen Position) und der Grenze von 1967 (der syrischen Position), die zwischen 1949 und 1967 zu syrischer Landnahme von israelischem Territorium führte. Die Möglichkeit, dass Syrien einer fortgesetzten israelischen Souveränität auf einem Teil des Golan (der Klippenlinie) zustimmt, scheint ziemlich gering.
 
Als Gegenleistung für den vollständige den Abzug vom Golan werden Israel vollständige Friedensbeziehungen zwischen beiden Ländern, Abkommen zur Wasserfrage und Sicherheitsvereinbarungen geboten.
 
Die Sicherheitsvereinbarungen konzentrieren sich auf drei Punkte: Demilitarisierung, die Beibehaltung einer nachrichtendienstlichen Warnstation und die Existenz eines internationalen Überwachungsapparates. So wichtig all diese Dinge sind, sie garantieren Israel nicht die Möglichkeit einer ausreichenden militärischen Antwort, sollten sich die Syrer aus irgendwelchen Gründen dafür entscheiden, die Abmachungen zu verletzen. Es ist durchaus plausibel anzunehmen, dass, wenn ein derartiges Abkommen unterzeichnet wird, es vom gegenwärtigen syrischen Regime eingehalten wird. Was jedoch nicht garantiert ist, ist die Zukunft von Assads Herrschaft. Hafiz al-Assad und sein Sohn Bashar haben ihre Herrschaft auf die Unterstützung durch die alawitische Minderheit gegründet, die nur 14 Prozent der syrischen Bevölkerung ausmacht. Die sunnitische Mehrheit von 80 Prozent verachtet sie, hält ihre Herrschaft für illegitim und wartet auf den Moment der Vergeltung für die massive Unterdrückung, unter der sie leidet. Die Sunniten sehen in den Alawiten eine unterlegene Gemeinschaft, deren Religion eher einer Irrlehre, denn dem Islam nahesteht.
 
Sollte es in Syrien zu einer sunnitischen Revolution kommen, dann ist völlig unklar, ob ein neues Regime die Vereinbarungen, die von dem „Apostaten“ Bashar al-Assad getroffen wurden, respektieren wird – v.a. wenn die Revolution von der Muslimbruderschaft durchgeführt wird.
 
Tatsächlich könnte ein Friedensvertrag mit Israel eine derartige Revolution beschleunigen. Hafiz al-Assad und Bashar haben Syrien mit Hilfe von Notstandsgesetzen regiert, deren Existenz mit der „israelischen Aggression“ gerechtfertigt wurde. Im Falle eines Friedens mit Israel würde diese Begründung verschwinden und es würde schwieriger für das Regime werden, die Sunniten auf die gleiche Weise zu unterdrücken. Der israelisch-syrische Konflikt ist im Gegensatz zum israelisch-palästinensischen Konflikt ein territorialer Konflikt zwischen zwei souveränen Staaten. Damit ähnelt er zahlreichen Konflikte in der ganzen Welt, von denen einige lösbar sind, andere nicht. Der Konflikt zwischen Indien und Pakistan über Kaschmir ist ein Beispiel für einen unlösbaren. Unter diesen Umständen ist es besser, den Konflikt zu managen, als zu versuchen, ihn zu hohen Kosten und Risiken zu lösen. Sollte es jemals möglich sein, eine andere Lösung zu finden, dann ließe sich die Sache neu überdenken.
 
Andere Möglichkeiten wären eine Langzeitpacht des Golan (für hundert Jahre), eine geteilte Souveränität auf dem Territorium, eine regionale Lösung, in der Syrien nur einen Teil der Höhen von Israel erhält. Im letzten Szenario würde Israel eine Kompensation in Form eines angemessen großen Gebietes von Jordanien erhalten, welches wiederum ein ähnlich großes Stück von Israels Arava-Region erhalten würde. Da zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch keine dieser Lösungen die nötige Spruchreife erreicht hat und alle Optionen ein „Alles-oder-Nichts“ sind, dann sollte „Nichts“ die bevorzugte Wahl bleiben.
 
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Gen. Maj. (Res.) Giora Eiland war zwischen 2004 und 2006 Vorsitzender des Nationalen Sicherheitsrates Israels. Zuvor war er der Vorsitzende der Operations- und Planungsabteilung der IDF, wo er verantwortlich war für den Entwurf und die Umsetzung der operativen und strategischen Politik der IDF. Gen. Eiland schied im Januar 2004 aus dem aktiven Dienst aus.
 
 


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